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Sonntag, 8. Februar 2026

Es ist fair, wenn alle verzichten müssen

In einem Interview für die Tagesschau  fordert die Transformationsforscherin, dass das Bewusstsein für globale Zusammenhänge wachsen muss – oder jeder etwas beitragen muss. 

Klimapolitik hat es schwer 

Göpel nennt Gründe, warum es Klimawandel in der öffentlich Wahrnehmung so schwer hat. 
Einerseits können wir Ursache und Wirkung so wenig direkt nachvollziehen. Die Wirkung ist orts- und zeitversetzt, daher denken wir, dass es so schlimm nicht ist. Andererseits sieht sie eine ganz bewusste Agenda, bei der Desinformationen verstreut werden, um fossile Interessen aggressiv zu vertreten. 

Die Kosten des Nichthandelns werden höher

Nicht nur Wissenschaftler, sondern auch die globalen Versicherer betonen, dass die Kosten des Nichthandelns immer höher werden. Göpel wundert sich, wie starkt das Gas zurückkommen soll, da dies das Erpressungspotential weiter erhöhen wird. Sie fordert deshalb, die Energiewende weiter entschieden voranzutreiben. 

"Menschen müssen vom Ziel überzeugt sein"

Göpel hält es für einen Fehler, alles über den Preis zu steuern, wenn sich am Ende einige Teil der Gesellschaft nicht mehr alles leisten können. Ordnungspolitische Maßnahmen sollten nicht als Verbote drangsaliert werden, sondern als fairer Weg, wenn alle Verzichten. Menschen akzeptieren Klimapolitik, , wenn sie den Eindruck haben, dass sie das Ziel verstanden haben und überzeugt sind.

"Das Versprechen des 20. Jahrhunderts nicht vom Tisch nehmen"

Damit das Thema Klima wieder wichtiger wird, wäre es wichtig zu zeigen, dass Investitionen zu Vorteilen führen und die Vorteile deutlich zu machen. Notwendig ist das Gefühl, dass es sich lohnt, mitzumachen. Es muss eine gesamtgesellschaftliche Aktivitäten sein nach dem Motto:: "Ich bin bereit, diese Verantwortung zu übernehmen." Göpel findet es verstörend, dass das Versprechen des 20. Jahrhundert nicht mehr gelten soll: Dass alle Menschen auf diesem Planeten einen sicheren Ort zum Leben haben. An diesem Versprechen müssen wir festhalten, auch wenn sich die Stärksten dafür nicht mehr interessieren. 

Samstag, 10. Januar 2026

Wann wirkt Protest? Teil 2

In einer Dokumentation geht ARTE der Frage nach, wann Protest wirkt. XXXXXX 



Immer mehr Proteste 

Immer mehr Menschen gehen weltweit auf die Straße. Die Menschen werden immer kompetenter und informierter – und sind bereit auf die Straße zu gehen, wenn sie eine Ungerechtigkeit nicht mehr ertragen können. 

Ebenen des Erfolgs 

Protestforschung versucht den Erfolg von Protest auf drei verschiedenen Ebenen zu ermitteln: 
Aufmerksamkeit für das Thema: Dies kann z.B. durch Ungehorsam geschehen, so haben Frauen im Iran in der Öffentlichkeit ihr Kopftuch ausgezogen.
Öffentlichkeit: Je mehr Leute mitmachen, desto größer der Druck. 
Entscheider sollen handeln: diese Ebene ist die schwierigste 

Unterschiedliche Erfolge 

Die Dokumentation untersucht den unterschiedlichen Erfolg von Bewegungen. Obwohl die Landwirte mit ihren Straßenblockaden ähnliche Strategien verfolgt haben wie die Umweltbewegung „Letzte Generation“ waren sie deutlich erfolgreicher. Sie waren besser organisiert, ihr Anliegen wurde von der Bevölkerung unterstützt und ihr Wunsch – die Rücknahme der Kürzungen – konnte schnell verwirklicht werden. 

Erfolge brauchen Zeit 

In der Dokumentation werden die Thesen von Erica Chenoweth vorgestellt. Sie verweist darauf, dass ein gewaltfreier Kampf häufig effektiver ist als ein bewaffneter. Es sollten möglichst viele und unterschiedliche Menschen sein, die die Bewegung unterstützen. Sie brauchen Disziplin und Geduld – eine durchschnittlicher erfolgreiche Kampagne braucht drei Jahre. 
Am Beispiel der gescheiterten Revolution von 1848 zeigt die Dokumentation, das dies noch länger dauern kann. Zwar war die Revolution nicht erfolgreich, durch die Verfassung wurden aber Denk-muster aufgebrochen und die Monarchie in Frage gestellt. 

Soziale Medien wichtig, aber nicht immer erfolgreich 

Soziale Medien spielen bei aktuellen Protesten eine wichtige Rolle und haben viele Menschen auf die Straße gebracht zeigt das Beispiel des Arabischen Frühlings, dass diese mittelfristig nicht immer erfolgreich waren. Die Autoren erklären die Unterschiede, dass sich früher Menschen einig waren und die Demonstration am Ende des Protests stand – heute treffen sich Menschen, die oft nicht mehr als gemeinsames Feindbild gemeinsam haben. 

Protest wird gebraucht 

Egal auf welcher Ebene ein Protest erfolgreich ist – Protest wird gebraucht. Denn eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn an strittigen Stellen auch Widerspruch geäußert werden darf. Moderne Gesellschaften sind ständig in Bewegung und Veränderung – Proteste leisten bei der ständigen Aushandlung einen wichtigen Beitrag. 

Sonntag, 4. Januar 2026

Wann wirkt Protest? Teil 1

Der Protestforscher Simon Teune erklärt in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung, wann Protest wirkt. Das Thema biete ich in meiner Seminarliste

Was sind Proteste?

Er definiert Protest als einen öffentlichen Widerspruch, den ein kollektiver, nicht-staatlicher Akteur organisiert, um eine politische Botschaft zu senden. Das können Gewerkschaften, Studierendenverbände, Prominente oder Wissenschaftler. 
Die Forscher unterscheiden dabei zwischen 
•    Demonstrativ: Kundgebungen oder Protestmärsche 
•    Konfrontativ:; unangemeldete Proteste, Blockaden und Sachbeschädigung 
•    Politische Gewalt: Brand- und Sprengstoffanschläge sowie Angriffe bis hin zum Mord 
Gemeinsam mit Kollegen hat er Medienberichte über Protestereignisse analysiert. 
Das Ergebnis zeigt, dass es immer mehr Proteste gibt. Es ist heute leichter und selbstverständlicher, Proteste zu organisieren. Mehr Menschen können sich vorstellen, an Protesten beteilig zu sein. 

Proteste und soziale Bewegungen hängen zusammen 

Taune betont, dass soziale Proteste nicht identisch mit einer sozialen Bewegung sind, aber zusammenhängen. So haben die Demos gegen rechts mit anfangs zwei Millionen Menschen nachgelassen, haben aber einen Nerv getroffen. Seit Jahren gibt es gewachsenen Netzwerke 

Der Anstieg verläuft nicht linear: 

Einen ersten deutlichen Ausschlag gibt es Ende der Sechziger zur Blüte der Studentenbewegung. Zu Beginn der Achtziger mobilisieren neue soziale Bewegungen, insbesondere gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen und gegen den Ausbau von Atomenergie. In den frühen Neunzigern sehen wir dann einen Anstieg rassistisch motivierter Gewalt sowie die dagegen gerichteten Massendemonstrationen.

Themen haben sich verändert 

Auch die Themen haben sich verändert: Waren es in den 50er Jahren noch Verteilungsfragen sind es heute ganz unterschiedliche Themen: die Umgehungsstraße, Handelspolitik, Ökologie oder Migration. 
Die „Mutter aller nachfolgenden Protestbewegungen“ sind dabei die 68er Generation, denen in den 70er Jahren die Frauen-, die Friedens-, die Antiatombewegung folgten. 
Seit 1990 hat der Anteil an konfrontativer und gewaltförmiger Proteste zugenommen, vor allem durch rechte Gewalt. 

Erfolg schwierig zu bewerten 

Während andere Forscher Zahlen genannt haben, ab wann ein Protest erfolgreich sein kann, vermeidet der Autor dies. Zwar geht es generell darum, viele Menschen zu motivieren, aber es gibt keine Garantie für Erfolg. Bei der Berichterstattung dominieren die Straßenblockaden der „Letzen Generation“ oft gegenüber Protesten mit mehreren Hunderttausend Teilnehmenden. 
In Bezug auf die Ziele ist die Bilanz eher mau: Die Anti-Atom-Bewegung hat Kernkraftwerke nicht verhindert, die Stuttgart-21-Gegner nicht den Bahnhof und das Freihandelsabkommen mit den USA wurde von Donald Trump aufgehalten. Auch die Klimaziele werden trotz vieler Proteste gerissen. Eine Ausnahme sind die Bauernproteste im letzten Winder – hier hat die Regierung sofort reagiert, da die Bauern ein Drohpotenzial und eindrucksvolle Straßenblockaden schafften. Ihre Proteste werden als legitmer angesehen, da sie Lebensmittel produzieren, auf die wir angewiesen sind. 

Protestieren wird langfristig 

Protestieren wirkt eher langfristig. Parteien gingen aus den Bewegungen hervor oder wurden darin gestärkt, so die SPD aus der Arbeiterbewegung, die Grünen aus der Friedens- Frauen- und Anti-Atombewegung und der AfD verhalt Pegida zu neuer Dynamik. 
Teune betont, dass Protest immer eine wichtige demokratische Funktion hat, da Menschen ihre Unzufriedenheit ausdrücken können. Der  Erfolg liegt auch darin, Aufmerksamkeit auf Probleme zu lenken, gehört zu werden, andere zu inspirieren.

Dauerhafte Motivation schwierig 

Viele Bewegungen haben auch  Schwierigkeiten, Menschen dauerhaft zum Demonstrieren zu motivieren. Fridays for Future wurde auch durch die Corona-Pandemie gebremst. Waren sie anfangs stark von jungen Menschen geprägt, hat sich dies verschoben. Heute mischen sich verstärkt Menschen jenseits der Verrentung mit ein – das haut auch mit zeitlichen Ressourcen zu tun. 
Er betont auch, dass die Bewegung ähnlich wie die 68er nicht von der Mehrheit getragen wurden. Sie haben jedoch das Selbstverständnis von Menschen geprägt, die gar nicht mitprotestiert haben. 

Sorge um soziale Bewegung von rechts 

Besorgt äußert sich der Forscher über die Bewegung noch rechts. War es lange Zeit ein Tabu, gemeinsam mir extremen Rechten zu protestieren, hat sich dies mit Pegida verändert. 
Auch bei den Corona-Protesten haben unterschiedliche Milieus protestiert – christliche Fundamentalisten, alte Linke. Die Themen wurden verknüpft - zuerst Corona, dann – nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine – Energieversorgung und Frieden.

Wichtige Rolle von sozialen Medien 

Zentral ist dabei die Rolle der sozialen Medien, in denen Organisation und Meinungsbildung stattfindet. Die Debatten sind stärker von Emotionalisierung geleitet, eigene Positionen müssen weniger begründet werden. Man arbeitet nicht auf einen gemeinsamen Konsens, sondern ist eher durch ein Feindbild vereint. In sozialen Medien und Messengerdiensten werden Informationen stärker ausschnitthaft wahrgenommen und direkt von Gleichgesinnten eingeordnet. 

Entspannung ist nicht in Sicht 

Weltweit beobachten Forscher eine stärkere Mobilisierung für demokratiefeindliche Positionen – Akteure wollen nicht mehr Rechte für mehr Menschen, sondern die Einschränkung Durch die zahlreichen Konflikte und die Klimakrise sieht er mehr Migration und eine konfliktgeladene Zukunft: Eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Es gibt Hoffnung 

Aber er hat auch Hoffnung, da es immer wieder Leute gibt, die sich für Demokratie und Menschenrechte vor Ort einsetzen. SO haben die Bunten Perlen Waldheim einen  Gegenprotest gegen den montäglichen Spaziergang der extremen Rechten im Ort organisiert. „Die lassen sich nicht einschüchtern. Und das macht mir Hoffnung“.. 

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Die Jungen dürfen den Glauben an die Zukunft nicht verlieren

In der Süddeutschen Zeitung fordert Sara Maria Behbehani, dass sich der Staat mehr um junge Menschen kümmern soll.  

Probleme spürbar 

Für junge Menschen sind viele Probleme spürbar: der Klimawandel, Angst um die Rente, hohe Mieten und Immobilienpreise, die Gefahr durch eine in Teilen rechtsextreme Partei die nächsten Wahlen gewinnt: Dieser Gesellschaft muss daran gelegen sein, dass die Jugend nicht den Glauben an ihr Land und an die Zukunft verliert. 

Die Politik vergisst die jüngeren Menschen 

Die Politik geht diese Probleme nicht an – und fordert dafür immer neue Dinge: die Wehrpflicht oder mehr Einsatz auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig werden sie als angeblich faule Generation gebrandmarkt und für ihre Wahlentscheidungen kritisiert. 

Der Staat muss auch den Jungen dienen 

Die Jungen wissen, dass sie den Lebensstandard der Eltern nicht erreichen wird – und fühlt sich sowohl von der Ampel- als auch der großen Koalition nicht berücksichtigt. Für die Autorin stellt sich die Frage: Warum sollen sie sich zum Wehrdienst melden, wenn darin immer auch die Erwartung enthalten ist, im Zweifel für dieses Land zu sterben? 
Es darf nicht bloß erwartet werden, dass die jungen Menschen dieser Demokratie dienen – diese Demokratie muss auch den jungen Menschen dienen. Eine Zukunft, in der sich Menschen, die hart arbeiten ein Haus leisten können, eine Rente, auf die man sich verlassen kann, und eine Zukunft, die nicht durch den Klimawandel verloren ist 

Demokratie stirbt, wenn niemand mehr hinschaut 

Die Autorin sieht in der Gleichgültigkeit der jungen Menschen eine große Gefahr: die Demokratie stirbt, wenn niemand mehr  hinschaut. Dieses Land braucht seine jungen Menschen – als demokratische Wähler, als Kräfte auf dem Arbeitsmarkt, als Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten – und als Eltern. Als Menschen, die Deutschland und Europa hochhalten in einer Zukunft, die beide zu Verlierern zu machen droht.

Meine Angebote  

In einem neuen Seminar in der Rubrik Gesellschaft geht es um Generationengerechtigkeit, Angebote für junge Menschen finden Sie  hier.

Dienstag, 4. November 2025

Zerstörungslust – manche Menschen wünschen Gewalt für soziale Probleme

Die Soziologen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey haben ein Buch „Zerstörungslust“ mit brisanten Ergebnissen veröffentlicht. Eine kleine Gruppe von Menschen wünscht sich Gewalt und drakonische Strafen als Mittel zur Lösung sozialer Probleme. Über das Buch berichtete der Focus, außerdem gaben die Autoren Interviews im SPIEGEL, der ZEIT  und der Süddeutschen Zeitung

Menschen mit „destruktiven Tendenzen“

Amlinger und Nachtwey führten Interviews mit 2600 Menschen. Bei einer Gruppe von 12,5 % stellten sie „destruktive Tendenzen“ fest. Diese befragten sie weiter. 
Sie unterscheiden dabei zwischen drei Typen: 

  • Den Erneuerer, der das liberale politische System zerstören will, damit traditionelle Hierarchien an seine Stelle treten. 
  • Den Zerstörer, der gar nicht an eine bessere Zukunft glaubt und die Zerstörung als Selbstzweck sieht. 
  • Den Libertär-Autoritären, der die aktuelle Form der Regulierung ablehnt und sich einen neuen, wirtschaftlich befreiten, aber gesellschaftlich autoritären Staat wünscht.


Nullsummen-Denken als zentrale Rolle 

Das Denken dieser Menschen ist oft durch Nullsummen-Denken geprägt. Verluste der eigenen Gruppe werden als Gewinne anderer interpretiert und umgekehrt. Ein klassisches Beispiel dafür ist, dass Migranten den Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen. Ihnen ist auch der Gedanke des Fortschritts abhanden gekommen  - war früher der bessere Job oder das bessere Auto des Nachbars ein Ansporn, ist es heute das Gefühl, dass ein guter Job weniger verfügbar ist. 

Zerstörungslust häufig in Verbindung mit biografischer Brüche 

Viele der Befragten betrachten ihr Leben als blockiert. Obwohl sie sich Mühegeben, haben sie keinen Erfolg. Viele Menschen haben Scheidung, Kündigung oder der Zwangsversteigerung des geliebten Eigenheim
Sie fühlen sich fremdbestimmt und sind bereit Schwächere zu demütigen und zu quälen. Obwohl Klimakleber oder trans Personen keine Konkurrenz sind, betrachten sie diese als ein Zeichen von sehr schnellen Wandels an Normen. 

Demokratischer Faschismus 

Die befragten Menschen bekennen sich zur Demokratie, sie wollen Wahlen gewinnen – und genießen gleichzeitig Grausamkeit und Gewalt. Sie bekennen sich zur Demokratie – sie wollen aber eine Demokratie für die sogenannten Normalen – andere werden ausgeschlossen. Dadurch sind die beiden Begriffe kein Widerspruch mehr: sie sind antidemokratisch, nationalistisch, migrationsfeindlich, gewaltaffin

Antifaschismus könnte kontraproduktiv sein

Die Interviewten sind voller Zynismus, konventionelle politische Aufklärung und Antifaschismus könnte sogar kontraproduktiv sein und als paternalistisch wahrgenommen. Sie fordern hingegen positive Visionen, denn Demokratie den Horizont einer offenen Zukunft, um handeln, gestalten, Lösungen finden zu können.“

Dienstag, 21. Oktober 2025

Sterben soziale Medien?

Die ZEIT beschreibt das nachlassende Interesse an sozialen Medien. Stirbt Social Media? In meinen Seminaren zur Gesellschaft biete ich ein u.a. ein Seminar zu sozialen Medien. 

Mehr Zeit am Smartphone – aber weniger Anteil für sozialen Medien 

Menschen in Deutschland verbringen immer mehr Zeit am Smartphone – sie hat sich auf täglich zwei Stunden verdoppelt, kaum gestiegen ist jedoch die tägliche Social-Media-Nutzung. Dies zeigt sich besonders bei den 16 bis 24jährigen, deren Nutzungsdauer bei sozialen Medien kaum mehr steigt. Ältere Menschen sind hingegen - auf deutlich niedrigerem Niveau - mehr auf sozialen Medien unterwegs. 

Haben soziale Medien ihren Zenit überschritten?

Viele Menschen haben auf Facebook, Instagram und Co. nicht mehr so viel Spaß. Der Wunsch seine Meinung zu teilen und neue Kontakte knüpfen sind gesunken, die Menschen suchen Inspiration oder folgen Promis und Influencern. Soziale Meiden werden immer weniger für das verwendet, was ihnen einst den Namen gab: für den sozialen Aspekt. Diese Kontakte verlagern sich auf die Messangerdienste, so nutzen über 80 % WhatsApp. 

Können Plattformen sich nur noch gegenseitig die Nutzer wegnehmen 

Die Autoren verweist auf die die Obergrenze der Mediennutzungsdauer: Wer zur Schule geht, einen Job oder Kind oder Angehörige betreut kann nicht endlos durch soziale Meiden swipen. Viele Nutzer sagen, dass sie die Zeit eher reduzieren wollen. Die Plattformen brauchen Wachstum für ihren Erfolg – und können nur durch hippere Angebote die Aufmerksamkeit an sich reißen. 

Haben die Formen ihre Dienste „verschlimmscheißert“

Die Autoren schließt mit der These des Internetkritikers Cory Doctorow. Er sagt die Techfirmen hätten ihre Dienste „verschlimscheißert“ – im Zuge des Geldverdienens haben sie jene vergessen, für die sie ihre Produkte einst gebaut haben – die Nutzerinnen und Nutzer. Es könnte sein, dass denen das langsam auffällt. 

Freitag, 17. Oktober 2025

Kulturkämpfe aufgeben und praktischen Fragen nachgehen

Detlef Esslinger fordert in der Süddeutschen Zeitung, dass die Politik Kulturkämpfe aufgeben und sich lieber simplen und praktischen Fragen kümmern soll. 
Ob es um Zuwanderung geht oder Rente, um Israel oder Putin: Viel zu oft leistet sich das Land ein Moralspektakel. Wer zur Einheit beitragen will, gibt die Kulturkämpfe auf und geht lieber den simplen und praktischen Fragen nach. 

In meinen Seminaren zur Gesellschaft biete ich ein u.a. ein Seminar zum Kulturkampf. 

Soziale Medien ermöglichen Kulturkämpfe

Noch sind in Deutschland Menschen in der Lage, miteinander ein Gespräch zu führen. Der Diskurs ist nicht durch konkrete Probleme bedroht, sondern durch einen Kulturkampf, den Populisten und andere Glücksritter erfolgreich angezettelt haben.
Dank der sozialen Medien kann man schnell den Unmut loswerden. Früher musste man Briefe schreiben, also „technisch viel zu aufwändig. Dennoch hält der Autor Raufbolde wie Franz Josef Strauß und Herbert Wehner, die oft nostalgisch verklärt werden, für entbehrlich. 

Kulturkämpfer wollen ein Moralspektakel

Der Philosoph Philipp Hübl nennt die Akteure „Polarisierungsunternehmer“. Kulturkämpfer drehen eine Heizungs- in eine Bevormundungs- und Enteignungsdebatte. Sie sortieren jeden, der sich zu Russland äußert, entweder in die Kategorie Kriegstreiber oder Putinversteher. Die Post bieten keine Argumente, sondern rufen zur Stammesbildung auf. Sie wollen, den Eindruck zu erwecken, die Gesellschaft sei gespalten, „obwohl das überhaupt nicht den Tatsachen entspricht“. 

Dauerempörung über Pseudo-Grundsatzfragen 

Die Dauerempörung führt dazu, dass sich ausgerechnet die Vernünftigen aus der öffentlichen Debatte zurückziehen. Kulturkämpfer wollen die Probleme nicht lösen, sondern bewirtschaften. Der Verzicht auf Argumente ist für sie kein Mangel, sondern Konzept. Die Debatten sind oft Pseudo-Grundsatzfragen wie die Frage über Stra0ennahmen. 

Innerdeutsche Entspannungspolitik 

Der Autor fordert eine innerdeutsche Entspannungspolitik und Debatten über praktische Fragen: Wie viele und welche Zuwanderer werden gebraucht, wenn die Hubers und Maiers nicht mehr reichen, um S-Bahn-Strecken zu bauen und Alte zu pflegen? Wir sollten auf Moralspektakel verzichten: 
Eine pragmatische Gesellschaft ist immer auch eine gelassene Gesellschaft.