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Dienstag, 28. Juli 2026

Junge Menschen sind zuversichtlicher als erwartet

In der Süddeutschen Zeitung stellt Yannik Yeşilgöz die Ergebnisse verschiedener Studien über die Generation Z vor: Sie sind zuversichtlicher als erwartet.

Viele Zuschreibungen 

Seit die Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2010) wählen darf, wurden ihr viele Befindlichkeiten zu geschrieben. Erst war sie zu grün, dann zu rechts, dann von den sozialen Medien verwirrt. Wenig überraschend kommt die Trendstudie der Universität Konstanz zum Ergebnis, dass es die eine Jugend gar nicht gibt. Es gibt auch unter jungen Menschen antidemokratische Strömungen – aber nicht mehr als bei älteren Generationen. 

Die Unzufriedenheit gilt nicht der Demokratie als Staatsform

Ein ähnliches Bild zeigt die Studie „Demokratie braucht Zukunft“ der Bertelsmann-Stiftung. Junge Menschen sind etwas optimistischer über die Zukunft und weniger unzufrieden mit der Demokratie als ältere Jahrgänge. Die Unzufriedenheit gilt auch eher der Leistungsfähigkeit demokratischer Institutionen, weniger der Demokratie an sich. Geringere Zufriedenheit bedeutet noch keine Krise, zudem sind die Erwartungen heute höher. 

Junge Menschen erwarten keinen höheren Wohlstand mehr

Pessimistisch sind jungen Leuten in Bezug auf gesellschaftliche Themen. Bei den Themen sozialer Zusammenhalt, politische Verhältnisse und wirtschaftliche Entwicklung glauben die Jungen nicht an Besserung. Dennoch ist laut Shell-Jugendstudie die Zuversicht unter jungen Menschen gestiegen, ihre beruflichen Wünsche zu verwirklichen (von 66 auf 84 Prozent). Dank junger Menschen sind die Mitgliederzahlen von Parteien und Gewerkschaften gestiegen. 
Junge Menschen erwarten Unterstützung bei drängenden Themen: bezahlbarer Wohnraum, finanzielle Unterstützung und psychische Gesundheit. Kürzungen in diesem Bereich sehen sie verständlicherweise kritisch. 

Grundlegende Konflikte zwischen Geschlecht, formaler Bildung und Wohnort 

In einer von der Friedrich-Ebert-Stiftung geförderten Studie wird deutlich, dass die großen gesellschaftlichen Konfliktlinie nicht zwischen Jung und Alt liegen: Bei Themen wie Migration, Klimaschutz und gesellschaftlichen Gleichstellungsmaßnahmen gibt es eine große Lücke zwischen formal gebildeten Frauen aus Großstädten und der männlichen Arbeiterschicht auf dem Land.
Viele jungen Menschen bleiben optimistisch: Die großen Weltproleme lassen sich nicht von heute auf morgen lösen, aber Probleme können sich Schritt für Schritt in die richtige Richtung lenken lassen. 

Donnerstag, 18. Juni 2026

Sollten Fußballer politisch sein?

Boris Hermann betont in der Süddeutschen Zeitung, dass Fußballer politisch sein können. Die Fußball-WM ist politisch – und schlechter als der FIFA-Präsident können es die Spieler nicht machen. 

Unterschiede zwischen 1994 und 2026

Der Autor zeigt die Unterschiede der Weltmeisterschaft 2026 zu 1994 auf, als zum letzten Mal eine WM in den USA stattfand. War damals die Fluchtfahrt von O.J. Simpson der größte Aufreger, führt heute die USA Krieg gegen einen Teilnehmer und man begreift Menschen aus anderen Kulturkreisen vor allem als Sicherheitsrisiken. Für die deutsche Mannschaft endete die WM damals mit Berti Vogts als Trainer im Viertelfinale. 

Zwischen Ignoranz und übertriebener Mündigkeit 

Als Spieler stand Berti Vogts bei der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien für demonstrative moralische Ignoranz, als er betonte, keine politischen Gefangenen gesehen zu haben. Bei der WM 2022 zeigten die Spieler mit der Mund-zu-Geste ihren Protest gegen die Zustände in Katar. Viele sehen darin ein Grund für das frühe Ausscheiden, der Autor betont, dass es wohl eher die spielerische Leistung war. 

Ethikreglement der Fifa stellt sich gegen alle Formen der Diskriminierung 

Niemand verlangt, dass es die Spieler besser hinkriegen als Politiker, aber sie können es auch nicht schlechter machen als Fifa-Boss Gianni Infantino, „der den Weltfußball mit seinen Kniefällen vor dem Weißen Haus bis ans Ende aller Tage blamiert hat.Die Ethikregeln der Fifa fordern Solidarität, Integrität, Transparenz, für Verantwortung und Demokratie. Es ist deshalb möglich, sich für diese Werte einzusetzen und trotzdem noch gut Fußball zu spielen. 

Wenigstens nicht das Gegenteil machen 

Der Autor kritisiert, dass Christiano Ronaldo und Lionel Messi, die – ohne Zwang – Donald Trump einen freundschaftlichen Besuch im Weißen Haus bgestattet hattet. Wie es geht, zeigt die amerikanische Nationalmannschaft, die im Spiel gegen Deutschland Trikots mit regenbogenfarbenen Rückennummern trugen. Sie zeigten Solidarität mit der LGBTQ-Community in einem Land, in dem der Präsident per Dekret verfügt hat, dass es zwei Geschlechter gibt. Und nichts dazwischen.

Mittwoch, 17. Juni 2026

Die Fußball-WM und das ganze Leben in 90 Minuten

Detlef Esslinger wirft in der Süddeutschen Zeitung einen Blick auf die Geschichte der deutschen Mannschaften bei Fußball-Weltmeisterschaften: "Die Fußball-WM und das ganze Leben in 90 Minuten."

Gemeinsame intensive Emotionen 

Der Tiel des Artikels „Das Leben in 90 Minuten“ bezieht sich auf den Berliner Sportsoziologen Gunter Gebauer, der in seinem Buch beschreibt, dass Fußball ein gemeinsames Thema von Menschen ist, die sonst nie miteinander ins Gespräch kämen – unabhängig von sozialen Schichten: „Gemeinsame intensive Emotionen im Fußball führen zur Entstehung einer imaginären Gemeinschaft, die ,ihre‘ Mannschaft als Ausdruck des eigenen Landes begreift.“

Spieler als Repräsentanten ihrer Nation 

Dadurch werden Spieler zu Repräsentanten der Nation. Der Autor nennt dabei auch einige negative Beispiele, so die Arroganz deutscher Spieler 1982 vor dem Spiel gegen Algerien und der folgenden Schande von GIjon, als man sich mit Österreich auf ein Ergebnis einigte, das dazu führte, dass Algerien ausschied. Im Gedächtnis bleibt auch das brutale Foul von Toni Schuhmacher im Halbfinale gegen Frankreich. Weiteren Hochmut lieferten vor dem Krieg die vereinte Mannschaften von Deutschland und Österreich 1938 und Franz Beckenbauer nach dem WM-Sieg, als er Deutschland als auf viele Jahre unbesiegbar darstellte. 

Sehnsucht nach Anerkennung 

Auch nach dem Sieg bei der Weltmeisterschaft 1954 gab es Misstöne. Der damalige DFB-Präsident Peco Bauwens machte mit seiner NS-Rhetorik beim Empfan vieles kaputt, was die Mannschaft um Fritz Walter und Helmut Rahn eben erst geschaffen hatte. Unter die Ägide von Bauwens fällt auch das Verbot des Frauen-Fußballs 1955. 

Gescheiterte Versuche, als cool zu gelten 

Ausgerechnet die Umgang mit der Finalniederlage in England 1966 brachte der deutschen Mannschaft viel Sympathien ein. „Wir haben phantastisch verloren“ war ein Zitat aus dieser Zeit. In den 70er Jahren wollte die Mannschaft als cool wahrgenommen werden. Die Sieger von 1974 waren bereits Vertreter einer neuen Generation. Nur vier Jahre später scheiterte die Mannschaft nicht nur sportlich, sondern auch durch fragwürdige Aussagen des Kapitäns Berti Vogts, dass er keinen einzigen politischen Gefangenen in Argentiniern gesehen hat. Noch schlimmer die Aktivitäten des DFB-Präsidenten Hermann Neuberger, der das Junta-System verteidigte und den Nazi Hans-Ulrich Rudel einen Besuch abstattete. 

Das Sommermächen 2006

Das Sommermärchen stand für einen „unpolitischen Patriotismus“. Das Land präsentierte sich als Gastgeber mit vier Wochen Sonne, Parte und Schwarz-Rot-Gold auf den Rängen. 2014 gewann die Nationalmannschaft nicht nur den Titel, sondern auch Sympathien, als sie beim Triumph gegen Brasilien jegliche Demütigungen unterließen. Trotzdem hat es– anders als „Das Wunder von Bern“, der „Triumpf von Belo Horinzonte“ nie in den Sprachgebrauch geschafft. 

Parallelen zwischen heute und den frühen 2000ern 

Nach den Pleiten in Russland (2018) und Katar (2022) stellt sich die Frage, wo Deutschland steht. 2022 war gekennzeichnet durch die Debatte um Regenbogenarmbinden und das Hand-vor-den-Mund-Halten. Maß oder Mitte gibt es nicht: entweder die Ignoranz von 1978 oder der Überschuss von 2022. Der Autor verweist auf die Parallelität von Politik und Sport: Deutschland ist ein Land voller Baustellen, so unfertig wie diese Nationalmannschaft. Bundeskanzler Merz und Bundestrainer Nagelsmann bestätigt man die selben Kommunikationsprobleme. Harald Schmitt sagte über die beiden: „Leistung Weltklasse, Kommunikation verbesserungswürdig.“
Diese Parallelität gab es schon einmal. Zu Beginn der 2000er waren vier Millionen Menschen arbeitslos und die Nationalmannschaft scheiterte bei den Europameisterschaften kläglich. Franz Beckenbauer erschuf daraus das Wort „Rumpelfußball.“ In dieser Lage setze Bundekanzler Schröder Reformen durch – und der neue Bundestrainer Jürgen Klinsammn wechselte Personal und Trainingsmethoden - das Sommermärchen konnte beginnen.

Sport und Politik in meinen Seminaren 

Das Thema Sport und Politik habe ich auch in meinen neues Programm aufgenommen – das Thema bleibt natürlich auch nach der Fußball-WM noch aktuell. 

Donnerstag, 15. Februar 2024

Demonstrationen gegen rechts: Bloß keine linke Türsteherei

Robert Pausch lobt in der ZEIT die Demonstrationen gegen die AfD, warnt aber vor linker Türsteherei.

Aufschwung der AfD gestoppt?

Die Berichte über das Treffen in Potsdam zur „Remigration“ hat auch innerhalb der der AfD für Unruhe gesorgt. Während Alice Weidel ihren Referenten feuerte, kritisierten andere das Vorgehen als „Altparteienverhalten“. In den Reihen der AfD und ihrer Stichwortgeber herrscht Unruhe, fast Panik. Diese Panik zeigte sich auch bei der Beurteilung der Demonstrationen. Mal waren die Demonstrationen regierungsgelenkt, dann wurden die Zweifel an Teilnehmerzahlen geschürt.

Die Zivilgesellschaft lebt, der Druck auf die AfD wirkt

Die Demonstrationen sind für Pausch eine eindrucksvolle und wirksame demokratische Selbstermächtigung. Er warnt davor, auf den Demo-Bühnen eine Debatte über Flüchtlinge zu führen – den Protesten sollen nicht durch linke Türsteherei den Schwung zu nehmen. Auch wenn linke Gruppen all die Jahren den Widerstand aufrecht erhalten haben, sollten sie die Mitte miteinbeziehen. Diese sind eine Machtdemonstration der politischen und kulturellen Mitte. Ausdrücklich sollte auch die CDU miteinbezogen werden.

Es geht um Mehrheiten

Der Autor schlägt ein Rahmenprogramm vor, um zu zeigen, dass auch viele Künstler hinter dem Anliegen stehen, wie z.B. Roland Kaiser oder Helene Fischer oder Mallorca-Musiker DJ Robin, der zwar politisch inkorrekte Lieder singt, aber deutlich gegen die AfD positioniert. Es geht bei diesem Protest nicht um Wahrheiten, es geht um Mehrheiten. Es geht um ein Bündnis vom Ballermann bis zur Basisgruppe. Denn das ist es, was die AfD am meisten fürchtet.

Dienstag, 12. April 2022

Facebook muss mehr löschen

Die TAZ berichtet über ein Gerichtsurteil gegen Facebook. Das Unternehmen muss rechtswidrige Inhalte aktiv suchen und löschen. Klägerin Renate Künast spricht von einem Grundsatzurteil.

Bedeutendes Urteil für Renate Künast

Renate Künast musste sich in der Vergangenheit viele Beleidigungen gefallen lassen. Ein Urteil des Landgericht Berlin hatte 2019 für Aufsehen gesorgt, als es eine Reihe übler Beleidigungen als noch zulässige Meinungsäußerungen gewertet hat. Dieses Urteil hat das Bundesverfassungsgericht kassiert.

Facebook muss aktiv suchen und löschen

Das Urteil des Frankfurter Landgerichts stellt nun einen Paradigmenwechsel dar. Endlich können Sich Betroffene effektiv gegen digitale Verleumdungen wehren. Im konkreten Fall muss das Unternehmen ein Bild mit Falschmeldungen nicht nur bei Beschwerden löschen, sondern aktiv suchen und entfernen.

Immer mehr Betroffene wehren sich

Besonders betroffen von Hasskommentaren im Netz sind nach Angaben von Hate-Aid Politiker*innen, Journalist*innen. Einige wie zuletzt die Klimaaktivistin Luisa Neubauer wehren sich nun erfolgreich gegen Privatperson. Zurecht wie ich meine, denn das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.

Donnerstag, 19. August 2021

Politik und Gesellschaft in Zeiten der Corona-Krise

Die Landeszentrale für politische Bildung hat in ihrer Reihe „Deutschland und Europa“ eine Broschüre zur den Folgen der Corona-Krise für Politik und zwei interessante Broschüren zu den Folgen der Corona-Krise veröffentlicht.

Politik und Gesellschaft in Zeiten der Corona-Krise

Im Heft werden verschiedene Aspekte thematisiert, u.a. die erheblichen Einschränkungen der Grundrechte und die Auswirkungen auf Demokratie, EU, Gesellschaft und unsere Schulen.
Über die Seite des Landeszentrale können Sie die Broschüre bestellen oder als PDF herunterladen
Die Broschüre hat folgende Artikel:

  • Folgen der Corona-Krise – Verzeihen allein wird nicht reichen - Ralf Engel
  • Corona-Krise als Herausforderung für den Rechtsstaat - Hans-Jürgen Papier-
  • Demokratie in unsicheren Zeiten: Ausnahmezustand als Dauerzustand? - Tamara Ehs
  • Die Corona-Krise – eine Chance für die EU? - Dirk Leuffen
  • Die Pandemie als große Verschwörung - Tim Schatto-Eckrodt, Svenja Boberg & Thorsten Quandt
  • Das Corona-Virus als der große Gleichmacher? Oder doch ein „Ungleichheitsvirus“? -Stefan Sell
  • Coronabedingte Schulschließungen und Bildungsgerechtigkeit - Ludger Wößmann und Larissa Zierow