Über diesen Blog

Posts mit dem Label Grundlagen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Grundlagen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 3. März 2023

Ist die Jugend verrückt geworden?

Gerhard Matzig beschreibt in der Süddeutschen Zeitung die Jugend von heute: „Sie fliegen nach Thailand, machen den Führerschein, rauchen wieder, wählen FDP - und kleben sich fürs Klima fest: Die sogenannten jungen Leute ticken wohl nicht ganz sauber.“ Aber nicht die Jugend, sondern die Generationenforschung und ihre Zuschreibungen sind verrückt geworden.

Über die Jugend jammern

Bereits Sokrates und Platon jammerten über „Die Jugend von heute“. Die Union kümmert sich um die Jugend nur dann, wenn es aus Imagegründen darum geht, die Union gerontokratisch zu entstauben. Das Ergebnis: der aufgeweckte Philipp Amthor. Eigentlich sollte man aufhören zu lesen, wenn ein Text mit „die Jugend“ beginnt, da es oft mehr über den Betrachter als die Realität aussagt.

Noch nie wollten so viele den Führerschein machen.

Die Jugend kämpft eben nicht nur gegen die klimaschädliche Mobilität, sondern sie wollen den Führerschein – und fallen dann bei der Prüfung durch, weil sie komplexe Aufgaben kaum bewältigen kann. Viele jungen Menschen leben auf dem Dorf, wo Autos oft noch notwendig ist. Ebenso relativ wie der Standort ist das Alter. Beschreiben die Vereinten Nationen Jugendliche als „Menschen zwischen 15 und 24“, gelten in manchen Regionen alle über 18 als alt.

Etikettierende Generationenforschung

Boomer, X, Y, Z- und bald Alpha-Generation. Es gibt eine Art Ursünde, die darin besteht, Teil einer definierten Alterskohorte sein zu müssen. Schade. Denn in Ermangelung eindeutiger Generationenbegriffe könnte man sich ja auch mal die vermeintliche Eindeutigkeit mancher Generationenkonflikte sparen. Junge Menschen wollen beides: einen intakten Lebensraum, der die Anzahl an Einfamilienhäuser und die Öko-Bilanz einschränkt. Sind junge Menschen also einfach nur gaga? Sind sie nicht.

Wir wollen die Jugend gerne so, wie wir selbst gerne wären

Die Wahlergebnisse sind nicht so eindeutig, bei der letzten Wahl wählten viele jungen Menschen die FDP. "Wir" sehen die Jugend nicht, wie "sie" ist, nämlich differenziert, auch grau, sondern so, wie wir denken, dass sie sein sollte.
Junge Menschen sind an die Dauerverfügbarkeit aller Konsumgüter herangeführt worden, einige sind konsumorientiert. Der neue Jugendstil ist also offenbar mehrheitlich nicht fleischkritisch, achtsam, flugscheu, drogenfrei, autolos, eigenheimfern. Das ist nur ein Bild, das "wir", die Eltern, gerne von der Jugend hätten. Wir sehen in ihr, was wir selbst gern wären. Und auch nicht sind.

Donnerstag, 8. Dezember 2022

Sind wir Heuchler?

Jan Stremmel schreibt in einem Essay für die Süddeutsche Zeitung über die Empörung über die Nationalmannschaft, die in Katar keine Haltung zeigen und Klimaaktivisten, die wirklich Haltung zeigen. Sein Urteil „Wir Heuchler - Warum Zivilcourage nur dann vorliegt, wenn Menschen Risiken in Kauf nehmen.

Sie sind halt nicht mal eine gelbe Karte wert

Stremmel kritisiert das Verhalten der Nationalmannschaft, die zunächst als Zeichen des Protests gegen die Zustände in Katar eine Binde tragen wollte, die einen Regenbogen andeuten soll. Aus Angst vor einer Verwarnung blies die Mannschaft die Aktion ab und hielt sich lieber den Mund zu.

Gefängnis für Klimaaktivisten  

Genauso groß ist die öffentliche Empörung über Klimaaktivisten, die sich auf den Asphalt geklebt haben und in Bayern präventiv ins Gefängnis gesteckt wurde. Sie haben ihre Werte auch gegen Widerstände vertreten und zwar Werte, die uns alle angehen. Obwohl der tatsächliche Schaden – Verspätungen und beschmierte Schutzscheiben vor Gemälden – gering ist, reagiert die Mehrheit der Bevölkerung mit Herablassung.

Sind wir nicht ähnlich verzagt wie die unglücklichen Fußballer in Katar?

Der Autor kritisiert, dass über Kartoffelbrei statt über den Klimawandel diskutieren und fragt: “Sind wir damit nicht ganz ähnlich verzagte und kleinliche Sorgendeutsche wie die unglücklichen Fußballer in der Wüste?“ In dieser Verzagtheit ragen Menschen heraus, die Risiken in Kauf nehmen.

Ziviler Ungehorsam half bei der Aufhebung von Missständen

Stremmel zählte eine Reihe von Missständen auf, die durch zivilen Ungehorsam beendet wurden: Die Rassentrennung in den USA, das Frauenwahlrecht in Großbritannien, die britische Kolonialherrschaft in Indien, die Apartheid in Südafrika. Das Prinzip lautet: friedlicher Protest, wo alle legalen Mittel ausgeschöpft sind, und in Akzeptanz der Strafe, die das Rechtssystem dafür vorsieht. Auch diese Gruppen zeigten zivilen Ungehorsam. Beim Kampf um das Frauenwahlrecht wurden 1913 allein in London 347 Sabotageakte verübt.

Der Protest zeigt Wirkung

Die Aktionen zeigen wirken. Hatte die FDP den Aktivistinnen von Friday for Future noch empfohlen, den Klimaschutz Profis zu überlassen, kritisiert sie nun, dass „Die letzte Generation“ die Errungenschaften gefährden: Der radikale Arm der Bewegung, der immer mehr nervt, macht das große Anliegen gerade Schritt für Schritt mehrheitsfähig. Besser kann es nicht laufen. Für einen Wandel sind nur wenige Menschen notwendig, Protestforscher gehen von 3,5 % der Bevölkerung aus.


Sonntag, 5. Januar 2020

Was ist Gesellschaft?

Was ist Gesellschaft überhaupt? Es gibt nicht die eine richtige Definition, in diesem Beitrag biete ich einige Ansätze.

Die Gesellschaft ist mehr als die Summe ihrer Teile 

"So etwas wie eine Gesellschaft gibt es nicht" sagte Margaret Thatcher, britische Premierministerin. Das klingt im ersten Moment überraschend, aber man muss auch den Rest des Zitates sehen: 

"Man schiebt die Probleme der Gesellschaft zu. Es gibt nur einzelne Männer und Frauen und ihre Familien. Es ist unsere Pflicht, für uns selbst zu sorgen und dann für unsere Nachbarn" 

Man muss ihr immer noch nicht zustimmen, aber so ist die Position als Aufforderung zu Eigenverantwortung plausibel. Anders beim ersten Satz, denn schon Aristoteles wusste "Die Gesellschaft ist mehr als die Summe ihrer Teile."

Was ist Gesellschaft?

Eine schöne Erklärung habe ich auf Youtube gefunden. Er liefert auch eine Definition, auf der diese Seminarreihe definiert: 

Gesellschaft besteht aus Wechselwirkungen zwischen Handelnden und den sozialen oder kulturellen Strukturen, die sich daraus ergeben.
Diese Strukturen werden durch das Wechselwirken von Handeln neu erzeugt, bestätigt oder verändert und wirken auf die Handelnden zurück. 

Diese Definition beinhaltet bereits den (permanenten) Wandel, der im Laufe des Seminars noch näher beleuchtet wird.

Weitere Informationen

Bundeszentrale für politische Bildung: Gesellschaft