Deutschland steht nicht nur bei der Betreuung von Menschen mit Behinderung schlecht da, sondern auch bei der Unterstützung von Kindern, wie eine aktuelle Studie von UNICEF zeigt.
Deutschland wieder weit abgeschlagen
Ralf Paul beklagt in der TAZ, dass Deutschland wieder mal weit abgeschlagen ist. Bei einer Studie des UN-Kinderhilfswerks Unicef in 37 Industriestaaten landete Deutschland auf Platz 25. Eklatant ist der Einfluss des Einkommens: Kinder aus wohlhabenden Familien schneiden doppelt so gut ab: Mit jedem Tausender mehr auf dem Konto steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind aufs Gymnasium geht. Ein Grund dafür ist die frühe Trennung der Kinder: Am besten schneiden darin die Niederlande und Dänemark ab: Länder, die auf eine acht- beziehungsweise neunjährige Volksschule setzen.
Protest aus bürgerlichen Reihen
Seit Hamburg 2010 mit einer Reform am Widerstand des bürgerlichen Lagers scheiterte, doktern die Bildungsministerien an verschiedenen Stellen rum: verbindliche Sprachtest, im Kitaalter, ein verpflichtendes Vorschuljahr oder mehr Geld für Brennpunktschulen. Der Autor glaubt nicht, dass das ausreicht, da die Benachteiligung schon vorher beginnt: Die Rückstände, mit denen benachteiligte Kinder in die 1. Klasse starten, können Grundschulen nicht abbauen. Jedenfalls nicht in vier Jahren.
Deutschland tritt permanent gegen seine Kinder an
Meridith Haaf kritisiert in der Süddeutschen Zeitung die Ergebnisse: Deutschland ist in vielen Dingen ein gutes Land, für Kinder allerdings ein ziemlich mittelmäßiges Land - und es wird darin seit Jahren immer schlechter. Sie verweist auf die die Kinderarmutsquote von 15 %, die nicht nur weniger Wissen und Fähigkeiten erlangen, sondern auch psychisch und körperlich in besonders schlechter Verfassung.
Jugendliche haben keine Priorität
Runtergerockte Schulen, ausgedünnte Sportvereine, minimal ausgestatte Musikschulen – junge Menschen haben keine Priorität. Die Autorin warnt: „Was heute fehlt an Zuwendung und Sozialisation, an Bewegung und Ernährung, an Wissen und Fähigkeiten, das fehlt morgen, wenn aus den Kindern Erwachsene geworden sind“. Wäre die deutsche Gesellschaft eine Familie würden die rechen Großeltern in einem großen Haus wohnen, das halbwegs funktioniert, aber nie modernisiert wurden – soll sich doch die nächste Genreration darum kümmern. Dabei hat Deutschland jahrzehntelang immerhin in den Aufstieg, also eine sozial- und bildungsgerechte Gesellschaft investiert.
Stagnations- und Abstiegsgesellschaft
Inzwischen ist Deutschland eine Stagnations- und Abstiegsgesellschaft . die soziale Ungleichheit verschärft sich. Während die Rüstungsausgaben steigen, wird an der Jugend- und Sozialarbeit drastisch gekürzt. Viele können mit einem normalen Gehalt kaum mehr leben oder angemessen wohnen – das wirkt sich auf die Kinder auf. Die Autorin fordert deshalb wieder Kraft und Geld in die Chancengleichheit zu stecken – angefangen mit der Bildung. Damit würde man nicht nur das Kindeswohl steigern, sondern auch die Performance.