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Donnerstag, 18. Juni 2026

Sollten Fußballer politisch sein?

Boris Hermann fragt in der Süddeutschen Zeitung , ob Fußballer politisch sein sollen. Die Fußball-WM ist politisch – und schlechter als der FIFA-Präsident können es die Spieler nicht machen. 

Unterschiede zwischen 1994 und 2026

Der Autor zeigt die Unterschiede der Weltmeisterschaft im Vergleich zu 1994, als zum letzten Mal eine WM in den USA stattfand. Ware damals die Fluchtfahrt von O.J. Simpson der größte Aufreger führt heute die USA Krieg gegen einen Teilnehmer und man Menschen aus anderen Kulturkreisen vor allem als Sicherheitsrisiken begreift. Für die deutsche Mannschaft endete die WM damals mit Berti Vogts als Trainer im Viertelfinale. 

Zwischen Ignoranz und übertriebener Mündigkeit 

Als Spieler stand Berti Vogts bei der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien für demonstrative moralische Ignoranz als er betonte, keine politischen Gefangenen gesehen zu haben. Bei der WM 2022 zeigten die Spieler mit der Mund-zu-Geste ihren Protest gegen die Zustände in Katar. Viele sehen darin ein Grund für das frühe Ausscheiden, der Autor betont, dass es wohl eher die spielerische Leistung war. 

Ethikreglement der Fifa stellt sich gegen alle Formen der Diskriminierung 

Niemand verlangt, dass es die Spieler besser hinkriegen als Politiker, aber sie können es auch nicht schlechter machen als Fifa-Boss Gianni Infantino, „der den Weltfußball mit seinen Kniefällen vor dem Weißen Haus bis ans Ende aller Tage blamiert hat.
Die Ethikregeln der Fifa fordern Solidarität, Integrität, Transparenz, für Verantwortung und Demokratie. Es ist deshalb möglich, sich für diese Werte einzusetzen und trotzdem noch Fußball spielen zu können. 

Wenigstens nicht das Gegenteil machen 

Der Autor kritisiert, dass Christiano Ronaldo und Lionel Messi, die – ohne Zwang – Donald Trump einen freundschaftlichen Besuch abgestattet hattet. Wie es geht zeigt die amerikanische Nationalmannschaft, die im Spiel gegen Deutschland Trikots mit regenbogenfarbenen Rückennummern trugen. Sie zeigten Solidarität mit der LGBTQ-Community in einem Land, in dem der Präsident per Dekret verfügt hat, dass es zwei Geschlechter gibt. Und nichts dazwischen.

Mittwoch, 17. Juni 2026

Die Fußball-WM und das ganze Leben in 90 Minuten

 
Detlef Esslinger wirft in der Süddeutschen Zeitung einen Blick auf die Geschichte der deutschen Mannschaften bei Fußball-Weltmeisterschaften: Die Fußball-WM und das ganze Leben in 90 Minuten

Gemeinsame intensive Emotionen 

Der Tiel des Artikels „Das Leben in 90 Minuten“ bezieht sich auf den Berliner Sportsoziologen Gunter Gebauer, der in seinem Buch beschreibt, dass Fußball ein gemeinsames Thema von Menschen ist, die sonst nie miteinander ins Gespräch kämen – unabhängig von sozialen Schichten: „Gemeinsame intensive Emotionen im Fußball führen zur Entstehung einer imaginären Gemeinschaft, die ,ihre‘ Mannschaft als Ausdruck des eigenen Landes begreift.“

Spieler als Repräsentanten ihrer Nation 

Dadurch werden Spieler zu Repräsentanten der Nation. Der Autor nennt dabei auch einige negative Beispiele, so die Arroganz deutscher Spieler 1982 vor dem Spiel gegen Algerien und der folgenden Schande von GIjon, als man sich mit Österreich auf ein Ergebnis einigte, das dazu führte, dass Algerien ausschied. Im Gedächtnis bleibt auch das brutale Foul von Toni Schuhmacher im Halbfinale gegen Frankreich.  Weiteren Hochmut lieferten vor dem Krieg die vereinte Mannschaften von Deutschland und Österreich und Franz Beckenbauer nach dem WM-Sieg, als er Deutschland als auf viele Jahre unbesiegbar darstellte. 

Sehnsucht nach Anerkennung 

Aber auch nach dem Sieg bei der Weltmeisterschaft 1954 gab es Misstöne. Der damalige DFB-Präsident Peco Bauwens mit seiner NS-Rhetorik beim Empfan vieles kaputt, was die Mannschaft um Fritz Walter und Helmut Rahn eben erst geschaffen hatte. Unter seine Ägide fällt auch das Verbot des Frauen-Fußballs 1955. 

Gescheiterte Versuche, als cool zu gelten 

Ausgerechnet die Umgang mit der Finalniederlage in England 1966 brachte der deutschen Mannschaft brachte viel Sympathien, „Wir haben phantastisch verloren“ war ein Zitat aus dieser Zeit. In den 70er Jahren wollte die Mannschaft als cool wahrgenommen werden. Die Sieger von 1974 waren bereits Vertreter einer neuen Generation. Nur vier Jahre später scheiterte die Mannschaft nicht nur sportlich, sondern auch durch fragwürdige Aussagen des Kapitäns Berti Vogts, dass er keinen einzigen politischen Gefangenen in Argentiniern gesehen hat. Noch schlimmer die Aktivitäten des DFB-Präsidenten Hermann Neuberger, der das Junta-System verteidigte und den Nazi Hans-Ulrich Rudel einen Besuch abstattete. 

Das Sommermächen 2006

Das Sommermärchen stand für einen „unpolitischen Patriotismus“. Das Land präsentierte sich als Gastgeber mit vier Wochen Sonne, Parte und Schwarz-Rot-Gold auf den Rängen. 
2014 gewann die Nationalmannschaft nicht nur den Titel, sondern auch Sympathien, als sie beim Triumph gegen Brasilien jegliche Demütigungen unterließen. Trotzdem hat sich – anders als „Das Wunder von Bern“, der „Triumpf von Belo Horinzonte“ nie in den Sprachgebrauch geschafft. 

Parallelen zwischen heute und den frühen 2000ern 

Nach den Pleiten in Russland (2018) und Katar (2022) stellt sich die Frage, wo Deutschland steht. 2022 war gekennzeichnet durch die Debatte um Regenbogenarmbinden und das Hand-vor-den-Mund-Halten. Maß oder Mitte gibt es nicht: entweder die Ignoranz von 1978 oder der Überschuss von 2022. Der Autor verweist auf die Parallelität von Politik und Sport: Deutschland ist ein Land voller Baustellen, so unfertig wie diese Nationalmannschaft. Bundeskanzler Merz und Bundestrainer Nagelsmann bestätigt man die selben Kommunikationsprobleme. Harald Schmitt sagte über die beiden: „Leistung Weltklasse, Kommunikation verbesserungswürdig.“
Diese Parallelität gab es schon einmal. Zu Beginn der 2000er waren vier Millionen Menschen arbeitslos und die Nationalmannschaft scheiterte bei den Europameisterschaften kläglich. Franz Beckenbauer erschuf daraus das Wort „Rumpelfußball.“ In dieser Lage setze Bundekanzler Schröder Reformen durch – und der neue Bundestrainer Jürgen Klinsammn wechselte Personal und Trainingsmethoden - das Sommermärchen konnte beginnen.

Sport und Politik in meinen Seminaren 

Das Thema Sport und Politik habe ich auch in meinen neues Programm aufgenommen – das Thema bleibt natürlich auch nach der Fußball-WM noch aktuell.