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Montag, 26. Oktober 2026

Die Wut der Jugend erfasst Europa

In vielen Staaten Europas demonstrieren junge Menschen. Während die Gewaltexzesse einiger Beteiligten auf breite Ablehnung stoßen, zeigen einige Kommentatoren Verständnis für die Gründe der Unzufriedenheit. 

Jugendproteste in Europa: Wut über soziale Ungerechtigkeit erfasst Kontinent

Karin Janker beschreibt in der Süddeutschen Zeitung, wie die Wut der Jugend Europa wie einen Flächenbrand erfasst. 

Die Forderungen sind zukunftsweisend

Janker beschreibt, wie die Jugend in zahlreichen Ländern gegen die Wohnungsnot und die steigenden Lebenshaltungskosten auf die Straße gehen. So schrecklich die Bilder, so sinnlos die Gewalt ist – das Anliegen der Jugend hält sie für legitim. „Hier kämpft die Jugend für ein menschenwürdiges Leben.“ Sie kämpfen auch für andere, denn viele Menschen haben das Gefühl, sich das Leben nicht mehr leisten zu können. 

Westliche Demokratien stehen vor einem Dilemma 

Die westlichen Demokratien stehen vor einem Dilemma: das Versprechen auf Chancengleichheit, sozialen Aufstieg durch Bildung und damit das Versprechen auf Zukunft wird immer weniger eingelöst. Hinzu kommt der demographische Faktor: Die wenigen Jungen werden von den Älteren schlicht überstimmt. Statt in Schulen wird eher in einen Tankrabatt finanziert. Die Ungleichheit nimmt zu. Laut Oxfam dauert es 24 Minuten bis einer von Frankreichs Milliardären das jährliche Durchschnittseinkommen verdient. 

Extreme Parteien profitieren 

Die massive Unzufriedenheit ist für die Autorin deshalb keine Überraschung, ebenso die Unzufriedenheit mit den Parteien der Mitte. In vielen Ländern wird die Jugend von extremen Linken und extremen Rechten umworben. Hier müssen die Parteien der Mitte entgegentreten und der Jugend wieder eine Perspektive geben. „Denn eines haben die Proteste vom Wochenende unmissverständlich gezeigt: Die jungen Menschen wissen, es geht um ihr Leben.“

Da braut sich auch in Deutschland etwas zusammen 

Oliver Klasen beschreibt in der Süddeutschen Zeitung, wie sich auch in Deutschland etwas zusammenbraut. Grund sind die geplanten Jugendproteste Ende Oktober – bereits jetzt haben sich über 130.000 junge Menschen in 23 Städten angemeldet. Sie wollen „für Bildung, Gesundheit, Klimaschutz und ein bezahlbares Leben, gegen die Wehrpflicht und gegen einen Sparkurs auf unserem Rücken“ demonstrieren. 

Motive und Protestkulturen unterscheiden sich europaweit 

Die Motive und Protestkulturen unterscheiden sich: in Italien geht es um die hohen Lebenshaltungskosten, in Frankreich wurde es zur Massenbewegung verbunden mit Gewalt. In Deutschland sind es vor allem die hohen Mieten. In kaum einem EU-Land leben so viele Menschen zur Miete wie in Deutschland. Und anders als in früheren Jahrzehnten ist es für junge Leute heute ohne Erbschaft vielerorts fast illusorisch, ein Haus zu bauen oder eine Wohnung zu kaufen. Das ist die wirkliche Generationenungerechtigkeit.

Arroganz der Politik 

Ähnlich sind die Reaktionen der Politik in den Ländern. So wurden die Proteste pauschal als linksextreme Randale verurteilt. Es bleibt abzuwarten, ob Bundeskanzler seine Ankündigung wahr macht, dass man die junge Generation stärker hören müsse. Hoffentlich erinnert er sich an seine eigenen Worte.