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Samstag, 26. September 2026

PISA-Studie 3: Die Impfung gegen Dummheit

Anant Agarwala und Martin Spiewak analysieren in der ZEIT die schlechten Pisa-Werte. Sie verweisen auf den Effekt von Smartphones, die dazu geführt haben, dass nach jahrzehntelangen Anstiegen die Leistungen weltweit sinken. 

Die Bildungskrise ist auf Welttournee 

In Deutschland sind die Leistungen der Schüler auf ein historisches Tief gesunken. Ein Drittel unserer Neuntklässler liest auf Grundschulniveau. Die Gründe sind stets griffbereit: hohe Zuwanderungszahlen, Nachwehen der Pandemie, Lehrermangel und natürlich die Politik durch Spardiktate oder das ungerechte Schulsystem. Dabei ist die Bildungskrise auf Welttournee. Seit 2012 konnten sich nur drei Staaten verbessern. 

Jahrzehntelang wurde die Menschheit klüger

Die Autoren erklären den Flynn-Effekt, demzufolge die Intelligenzwerte durch Lesen, Aufmerksamkeit und Denken gestiegen sind. Neben Faktoren wie gesünderer Ernährung und besser Medizin wirkte die „Superkraft des Lesens“ Experimente zeigte, dass Lesen mehrere Hirnfunktionen steigern und wie ein permanenter Intelligenzbooster wirkte. 

Etwas ändert sich Ende der Nullerjahre

Noch vor der Pandemie verschlechterten sich die Zahlen – die Autoren führen dies auf die Erfindung von Smartphones und sozialen Medien zurück. Der weltweite Absturz betrifft auch Kinder aus wohlhabenden Familien, kann also nicht nur mit Armutszuwanderung und Sprachproblemen erklärt werden. 
Zu den Ursachen gehören: Die permanente Ablenkung durch die Geräte, ein an schnelle Reize gewöhntes Belohnungssystem, dessen Hunger Texte nicht befriedigen können – und schlicht Zeit. Vier Stunden hängen Jugendliche täglich am Bildschirm. Diese Stunden fehlen für andere Aktivitäten. Texte, die länger als WhatsApp-Nachrichten sind, werden weltweilt weniger gelesen. 

Mit KI zur Supperdummheit? 

Die Verbreitung der Künstlichen Intelligenz führte zum Szenario einer Supperdummheit, da auch der „anstrengendere Zwilling“ bedroht ist: das Schreiben. Brauchten andere Kulturrevolutionen jahrzehntelang, breitet sich KI rasant aus: Rund 90 Prozent der deutschen Schüler nutzen Chatbots mittlerweile für ihren Schulstoff, zeigen Umfragen. Die Folgen sind noch nicht absehbar, die Gefahren sind aber offensichtlich: „KI an, Hirn aus“. Eine wütende Forscherin wird zitiert, die ständig von den Kosten für KI-Datenzentren liest, aber nichts von den Kosten für den menschlichen Verstand. 

In Zukunft nur noch Einheitsbrei?

Eine weitere Sorge gilt der Kreativität. Es droht ein Einheitsbrei, weil weniger Gedanken und Ideen entwickelt werden. Selbst erfahrene Wissenschaftler erkannten nicht, dass Essays zwar eloquent, aber weder originell noch innovativ waren. Es droht ein gedanklicher Einheitsbrei. „Alle, die mittels KI das gleiche Ziel verfolgen, gelangen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem ähnlichen Ergebnis, wie es zu erreichen ist“.

Der Traum vom neuen Lernen

Dennoch warnen die Autoren vor der Gleichung: „Mehr Smartphones + KI = weniger Lesen = weltweite Ignoranz?“ Führe Entwicklungen wie Radio. Fernsehen oder Videospiele führten auch zur Angst, dass die menschlichen Intelligenz Schaden nimmt. Dennoch sind die Gefahren real. Ein spaltete sich die Bevölkerung in eine Elite, die Lesen konnten, und dem großen analphabetischen Rest. Diese Gefahr besteht wieder. Der Flynn-Effekt zeigte, dass unsere Urgroßeltern nicht dümmer waren, sie hatten nur bestimmte Fähigkeiten nicht trainiert. Wir dürfen das lästige Lesen, Schreiben und Denken nicht delegieren, sonst könnten auch unsere Gehirne Wege suchen, sich zu entwickeln. 

Montag, 21. September 2026

PISA-Studie 2: Von Kindern aus benachteiligten Verhältnissen wird weniger erwartet

In einem Interview in der Süddeutschen Zeitung analysiert der renommierte Bildungssoziologe Aladin El-Mafaalani die Ergebnisse der Pisa-Studie. 

Der Abschwung war zu erwarten

El-Mafaalani ist über den Abschwung nicht überrascht, andere Untersuchungen haben diesen Trend bereits bestätigt. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung sogar noch beschleunigt. Die Leistung hat auch in Hamburg nachgelassen – bisher eine Ausnahme bei den Bundesländern – und Kindern von Akademikern. Sein bitteres Fazit: „Im Prinzip gibt es überhaupt nichts, was nicht nach unten deutet.“

Soziale Medien und Pessimismus 

Der Soziologe nennt zwei Faktoren außerhalb des Bildungssystems, die diesen Abwärtstrend erklären können: 
Der Pisa-Knick, der sich bis heute fortsetzt, begann Anfang der 2010er Jahre – genau die Zeit, in der Smartphones und soziale Medien populär wurden. Er betont, dass dies Verbreitung auch bei Eltern negative Folgen hat. 
Ein weiterer Grund ist der Pessimismus: Die Ergebnisse werden schlechter, weil alle glauben, dass es schlechter wird. Besonders für Kinder aus schwierigen Verhältnissen ist das problematisch: von ihnen wird weniger erwartet und sie haben den Eindruck, dass die Erwachsenen nicht an sie glauben. 

Superdiversität in der Gesellschaft und an den Schulen  

Seit der ersten Pisa-Studien hat sich die Migration vervielfacht. Andere Länder zeigen, dass man dennoch gute Ergebnisse erzielen kann. Das deutsche Schulsystem hat sich zwar verbessert, passt aber nicht zu den heutigen Anforderungen. 
Die Gesellschaft ist heterogener geworden. Neben Migration prägen unterschiedliche Familienformen das Bild. Superdiversität beschreibt die Herausforderungen für Behörden, soziale Dienstleistungen für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen anzubieten. Auch Schulen müssen sich mit dieser „Superdiversität“ auseinandersetzen. 

Nachholarbeit als Aufgabe der Schule 

El-Mafaalani vergleicht die Situation eines Kindes nach längerer Krankheit. In vielen Ländern ist es Aufgabe der Schulen, dass das Kind wieder folgen kann. In Deutschland ist diese Nachholarbeit traditionell Aufgaben der Eltern. Andere Systeme verzichten auch auf Selektionsprozesse wie Sitzenbleiben oder Schulwechsel: Dies könnte eine Erklärung sein, warum diese Länder besser mit Heterogenität klarkommen. 
El-Mafaalani fordert ein Sondervermögen für Bildung und mehr Freiraum für Schulen: sie sollen eigenes Geld bekommen, um gezielt fördern zu können. Dies wirke besser, als wenn Kinder den Stempel „sonderpädagogischer Förderbedarf“ benötigen, um Unterstützung zu bekommen. 

Kein Grund für Überheblichkeit 

Deutschland sollte mehr nach anderen Ländern schauen, für die bisherige Überheblichkeit gibt es keinen Grund. In China und Japan wird Mathe mit dem Ziel unterrichtet, dass das Niveau hoch ist und zugleich alle mitkommen. Anders als oft unterstellt – andere Länder haben davon gelernt. 
Dies gilt besonders für die Selektion – die meisten Länder, die in der Pisa-Studie besser abschneiden, sind inklusiv. Er kritisiert das „Schulkorsett“, das Schulen verbietet von Regeln abzuweichen. Beispielsweise könnten die Grundschuljahre anders organisiert werden, wenn sich die Stärksten langweilen, während die Schwächsten sitzen bleiben. Er plädiert nicht für einen permanenten Regelbruch: Besser wäre es, wir würden daraus ein flächendeckendes Prinzip machen.

Freitag, 11. September 2026

PISA-Studie 1: Die Bildung bruacht endlich Priorität

Die Pisa-Studie fiel in Deutschland – und vielen anderen Ländern – so schlecht aus wie nie zuvor. Einige der Kommentare und Verbesserungsvorschläge stelle ich in den nächsten Beiträgen vor. . 

Pisa-Studie: Die Bildung braucht endlich Priorität

Vinzent-Vitus Leitgeb fordert in der Süddeutschen Zeitung einen stärkeren Fokus auf Bildung. . 

Bedenkliche Schwächen 

Die Pisa-Studie zeigte in allen Bereichen schlechte Ergebnisse. Ein Viertel der getesteten 15-Jährigen in Deutschland hatte Schwierigkeiten, Multiple-Choice-Fragen dazu zu beantworten. Gar ein Drittel der Schüler im Land kann laut der neuen Pisa-Studie nicht ausreichend lesen oder rechnen. Diese Jugendlichen werden im späteren Berufsleben erhebliche Probleme haben, denn nicht nur die Wirtschaft braucht gut gebildeten Nachwuchs, auch unsere Gesellschaft benötigt aufgeklärte junge Menschen, die die Demokratie mit Leben füllen.

Stetiger Abwärtstrend

Der Vergleich zu bisherigen Studien zeigt einen klaren Trend: Die Leistungen nehmen konstant ab. Für die Ergebnisse 2022 gab es gute Ausreden: Die Corona-Pandemie und der Zuzug von mehr als 200.000 ukrainischen Kindern. Inflation und Kriege belasteten die Haushalte, KI veränderte die Lernprozesse. Es gab erfolgreiche Programme, die waren aber häufig zeitig befristet und nicht ausreichend. 

Bildung braucht höchste Priorität 

Es gibt Fortschritte, so diskutieren Bund und Ländern über eine gemeinsame Steuerung und nationale Bildungsziele. Es kommt auf die überparteiliche Zusammenarbeit an, die Bildungskrise muss als Priorität anerkannt werden. Die Zeit für Ausreden ist vorbei.