Anant Agarwala und Martin Spiewak analysieren in der ZEIT die schlechten Pisa-Werte. Sie verweisen auf den Effekt von Smartphones, die dazu geführt haben, dass nach jahrzehntelangen Anstiegen die Leistungen weltweit sinken.
Die Bildungskrise ist auf Welttournee
In Deutschland sind die Leistungen der Schüler auf ein historisches Tief gesunken. Ein Drittel unserer Neuntklässler liest auf Grundschulniveau. Die Gründe sind stets griffbereit: hohe Zuwanderungszahlen, Nachwehen der Pandemie, Lehrermangel und natürlich die Politik durch Spardiktate oder das ungerechte Schulsystem. Dabei ist die Bildungskrise auf Welttournee. Seit 2012 konnten sich nur drei Staaten verbessern.
Jahrzehntelang wurde die Menschheit klüger
Die Autoren erklären den Flynn-Effekt, demzufolge die Intelligenzwerte durch Lesen, Aufmerksamkeit und Denken gestiegen sind. Neben Faktoren wie gesünderer Ernährung und besser Medizin wirkte die „Superkraft des Lesens“ Experimente zeigte, dass Lesen mehrere Hirnfunktionen steigern und wie ein permanenter Intelligenzbooster wirkte.
Etwas ändert sich Ende der Nullerjahre
Noch vor der Pandemie verschlechterten sich die Zahlen – die Autoren führen dies auf die Erfindung von Smartphones und sozialen Medien zurück. Der weltweite Absturz betrifft auch Kinder aus wohlhabenden Familien, kann also nicht nur mit Armutszuwanderung und Sprachproblemen erklärt werden.
Zu den Ursachen gehören: Die permanente Ablenkung durch die Geräte, ein an schnelle Reize gewöhntes Belohnungssystem, dessen Hunger Texte nicht befriedigen können – und schlicht Zeit. Vier Stunden hängen Jugendliche täglich am Bildschirm. Diese Stunden fehlen für andere Aktivitäten. Texte, die länger als WhatsApp-Nachrichten sind, werden weltweilt weniger gelesen.
Mit KI zur Supperdummheit?
Die Verbreitung der Künstlichen Intelligenz führte zum Szenario einer Supperdummheit, da auch der „anstrengendere Zwilling“ bedroht ist: das Schreiben. Brauchten andere Kulturrevolutionen jahrzehntelang, breitet sich KI rasant aus: Rund 90 Prozent der deutschen Schüler nutzen Chatbots mittlerweile für ihren Schulstoff, zeigen Umfragen. Die Folgen sind noch nicht absehbar, die Gefahren sind aber offensichtlich: „KI an, Hirn aus“. Eine wütende Forscherin wird zitiert, die ständig von den Kosten für KI-Datenzentren liest, aber nichts von den Kosten für den menschlichen Verstand.
In Zukunft nur noch Einheitsbrei?
Eine weitere Sorge gilt der Kreativität. Es droht ein Einheitsbrei, weil weniger Gedanken und Ideen entwickelt werden. Selbst erfahrene Wissenschaftler erkannten nicht, dass Essays zwar eloquent, aber weder originell noch innovativ waren. Es droht ein gedanklicher Einheitsbrei. „Alle, die mittels KI das gleiche Ziel verfolgen, gelangen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem ähnlichen Ergebnis, wie es zu erreichen ist“.
Der Traum vom neuen Lernen
Dennoch warnen die Autoren vor der Gleichung: „Mehr Smartphones + KI = weniger Lesen = weltweite Ignoranz?“ Führe Entwicklungen wie Radio. Fernsehen oder Videospiele führten auch zur Angst, dass die menschlichen Intelligenz Schaden nimmt. Dennoch sind die Gefahren real. Ein spaltete sich die Bevölkerung in eine Elite, die Lesen konnten, und dem großen analphabetischen Rest. Diese Gefahr besteht wieder. Der Flynn-Effekt zeigte, dass unsere Urgroßeltern nicht dümmer waren, sie hatten nur bestimmte Fähigkeiten nicht trainiert. Wir dürfen das lästige Lesen, Schreiben und Denken nicht delegieren, sonst könnten auch unsere Gehirne Wege suchen, sich zu entwickeln.