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Mittwoch, 6. Juli 2022

Die neue deutsche Hilfsbereitschaft – und warum sie so glücklich macht

Es ist ein Artikel im SPIEGEL, der Mut macht: „Die neue deutsche Hilfsbereitschaft – und warum sie so glücklich macht.“
Es werden einige Menschen portraitiert, die in ihrer Freizeit für andere Gutes tun: als Helfer Geflüchtete, für die Flutopfer im Ahrtal, als Aids-Pastor und als Sterbebegleiterin.

Viele Ehrenamtliche, viele Spenden

Sie gehören zu den rund 16,2 Millionen Menschen, die sich ehrenamtlich:  in Hilfsorganisationen, kirchlichen Einrichtungen oder Sportvereinen. Die Zahl ist in den letzten Jahren gestiegen. Auch die Spendenbereitschaft hat zu genommen – rund 5,8 Mrd. Euro gab es allein im letzten Jahr an privaten Spendenaufkommen.

Helfen macht glücklich

Der Autoren verweisen auf unterschiedliche Gründe: Wer hilft, weil es alle machen oder sein Umfeld es von ihm verlangt, handelt aus Prinzipalismus. Manche helfen, weil sie erwarten, dass sie dann auch Hilfe erhalten werden, wenn sie sich selbst in einer Notlage befinden.
Und ja, auch Egoismus zählt zu den Triebfedern der Hilfsbereitschaft: Menschen tun Gutes, um den »warm glow« zu spüren, das Gefühl des Belohntwerdens. Die gute Tat wirkt, als würde man Schokolade essen – die Helfer fühlen sich gut.

Freitag, 24. Juni 2022

Was Kinder an Brennpunktschulen wirklich brauchen

Es geht nicht nur ums Geld – in einem Artikel im SPIEGEL beschreiben Miriam Olbrisch und Susmita Arp den Weg einer Hamburger Grundschule, die mit einem klaren Konzept Erfolge erzielen konnten – und nun teilweise Opfer ihres eigenen Erfolgs werden.

Was brauchen Brennpunktschulen

Geld allein reicht nicht, denn oft wird Geld in Maßnahmen investiert, deren Erfolg niemand kontrolliert. Vieles wurde erforscht, kam aber bisher nicht an den Schulen an. Hamburg hat es an einigen Schulen anders bemacht – hier haben Schulen dank wissenschaftlicher Unterstützung die Trendwende geschafft.
 

Das Erfolgsrezept:  

Lesen als Basis allen Lernens

Jeden Morgen ist Lesezeit – leise, laut, zu zweit. Wer gut lesen kann, profitiert auch in anderen Schulfächern

Ordnung und Struktur

Dies gilt für alle Lehrkräfte: Jeder wendet die Regeln gleich an – das vermittelt den Schüler*innen Orientierung

Die Lehrkraft als Dienstleister

Um zu gewährleisten, dass alle mitziehen, stehen während des Unterrichts alle Klassentüren offen, damit Kollegen jederzeit hereinkommen und zuschauen können

Der Erfolg hat seinen Preis

Durch die Erfolge wurde die Schule auch für andere attraktiv. In der Rangliste ist die Schule aufgestiegen – und musste Streichungen bei Sprachförderung und Sonderpädagoginnen hinnehmen. Dennoch ist es ein gutes Beispiel, dass es funktionieren kann.

Montag, 30. Mai 2022

Die Polizei versagt bei der Verfolgung von Hassnachrichten

Jan Böhmermann und sein Team haben mal wieder einen Skandal aufgedeckt. In der Ausgabe vom 27. Mai zeigen das ZDF Magazine Royale  auf, wie Anzeigen gegen Hassbotschaften im Netz in einigen Bundesländern erst gar nicht angenommen wurden.

Uneinheitliche Strafverfolgung

Das Team von Böhmermann zeigte Hassbotschaften und Hakenkreuze, die im Netz gepostet wurden, in den 16 verschiedenen Bundesländern bei Polizeidienststellen an.
Die Reaktionen waren ernüchternd: In einigen Bundesländern wurde die Anzeige erst gar nicht angenommen, in anderen monatelang nicht bearbeitet. Auf einer eigenen Seite Tatütata.fail wird das Experiment dokumentiert  

Hass im Internet

Das Experiment zeigt deutlich die Defizite bei der Verfolgung von Hassnachrichten – allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz. Immerhin wurden die Behörden jetzt aktiv: gegen einige Polizisten wird wegen Strafvereitlung im Amt ermittelt. Aber es gab auch positive Beispiele – in Hessen war nach 11 Minuten alles erledigt und auch die Baden-Württembergische Polizei findet die Täter.

Die Sendung auf Youtube

Die Sendung können Sie auch über Youtube aufrufen: .

Dienstag, 12. April 2022

Facebook muss mehr löschen

Die TAZ berichtet über ein Gerichtsurteil gegen Facebook. Das Unternehmen muss rechtswidrige Inhalte aktiv suchen und löschen. Klägerin Renate Künast spricht von einem Grundsatzurteil.

Bedeutendes Urteil für Renate Künast

Renate Künast musste sich in der Vergangenheit viele Beleidigungen gefallen lassen. Ein Urteil des Landgericht Berlin hatte 2019 für Aufsehen gesorgt, als es eine Reihe übler Beleidigungen als noch zulässige Meinungsäußerungen gewertet hat. Dieses Urteil hat das Bundesverfassungsgericht kassiert.

Facebook muss aktiv suchen und löschen

Das Urteil des Frankfurter Landgerichts stellt nun einen Paradigmenwechsel dar. Endlich können Sich Betroffene effektiv gegen digitale Verleumdungen wehren. Im konkreten Fall muss das Unternehmen ein Bild mit Falschmeldungen nicht nur bei Beschwerden löschen, sondern aktiv suchen und entfernen.

Immer mehr Betroffene wehren sich

Besonders betroffen von Hasskommentaren im Netz sind nach Angaben von Hate-Aid Politiker*innen, Journalist*innen. Einige wie zuletzt die Klimaaktivistin Luisa Neubauer wehren sich nun erfolgreich gegen Privatperson. Zurecht wie ich meine, denn das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.

Samstag, 26. Februar 2022

Unsere Gesellschaft in der Corona-Krise

In meinem Blog zur Corona-Krise geht es in drei Beiträgen über den Zustand unserer Gesellschaft

Sind wir so gespalten?

In einem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung geht es um das verbreitete Gefühl, dass die Gesellschaft immer gespaltener wird. Dieses Gefühl war aber bereits vor der Corona-Krise vorhanden und betrifft meistens die Beurteilung anderer. Nur die anderen halten sich nicht an die Regeln, das eigene Umfeld ist meistens intakt. Umso wichtiger: Im Gespräch bleiben und versuchen, Differenzen zu überbrücken.

Ein bisschen mehr Eigenverantwortung

In einem Kommentar im SPIEGEL fordert Nike Laurenz „ein bisschen mehr Eigenverantwortung“. Trotz chaotischer Regeln verhalten sich die meisten Menschen rücksichtsvoll. Statt immer neue Vorschriften zu erlassen, sollte der Staat einen pragmatischen Umgang, z.B. einen kurzen Spaziergang trotz Quarantäne ermöglichen.

Zurück zu überkommenden Rollenmustern?

In einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung geht es um die Sorgen von Familien, die sich seit zwei Jahren besonders massiv von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen sind. Da sich häufig Frauen um die zusätzliche Betreuung von Kindern kümmern, sieht Alexander Hagelüken einen Rückfall in überkommende Rollenmuster. Er sieht auch den Staat gefordert, durch verbesserten Digitalunterricht, Kinderbetreuung und das Ende des Ehegattensplittings.

Freitag, 28. Januar 2022

Impfpflicht - pro und contra

Der Bundestag hat in dieser Woche intensiv diskutiert. Bisher liegen drei Vorschläge vor: eine Impfpflicht ab 18 Jahre, eine Pflicht ab 50 Jahre und die Ablehnung einer Impfpflicht.

Argumente gegen eine Impfpflicht

In diesem Beitrag stelle ich die Positionen gegen eine Impfpflicht vor:
Dabei beziehe ich mich auf Argumente aus der Gegenüberstellung im ZDF, der Landeszentrale für politische Bildung sowie Berichten in der Süddeutschen Zeitung. Interessant fand ich den Kommentar von Lothar Gorris: Lasst das mit der Impfpflicht.

Verfassung und Grundrechte

Ohne Frage ist eine Impfpflicht ein schwerer Eingriff auf die körperliche Unversehrtheit. Es ist genau zu überprüfen, ob die Gesundheit anderer Menschen nicht anders zu schützen ist.

Zweifel an der Wirksamkeit  

Die Impfung bietet zwar einen guten Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf und reduzierte bisher auch das Risiko der Übertragung - doch dieser Schutz ist nicht einhundertprozentig und vor allem bei Omikron können die bisherigen Impfstoffe eine Übertragung kaum verhindern
Für die aktuelle Welle ist die Impfpflicht ohnehin zu spät – Gegner verweisen dann

Sanktionen schwer durchsetzbar

Viele zweifeln an der Umsetzung: Es gibt kein Impfregister, anhand dem man Verstöße nachverfolgen kann und auch Sanktionen sind kaum durchsetzbar. Eine Pflicht, die man nicht durchsetzen kann, sollte man also lieber lassen. Manche sehen in der Impfpflicht auch ein Misstrauen des Staates gegenüber den Bürgern.

Trotzreaktionen

Impfskeptiker werden sich durch die Impflicht nicht überzeugt lassen. Sie werden eher zahlen als einzuknicken. Das Fälschungswesen mit Impfausweisen könnte einen neuen Aufschwung bekommen.
Forscher warnen vor einer Trotzreaktion, d.h. die Impfbereitschaft könnte sogar noch abnehmen, wenn eine Impfpflicht kommt  Seit Beginn der Epidemie haben fast alle Politiker*innen eine Impfpflicht abgelehnt, nun finden viele eine Impfpflicht notwendig. Das ist nicht nur für Impfgegner schwer verständlich. Die Impfpflicht im Gesundheitsbereich könnte zu Kündigungen führen und die schwierige Situation noch verschärfen.

Abwarten

Lothar Görris setzt auf Abwarten und die Hoffnung, dass die aktuelle Mutation die postpandemische Phase einleiten könnte. „Ausgerechnet jetzt Skeptiker und Verweigerer zur Impfung zu verpflichten, wäre schwierig“.


Argumente für eine Impfpflicht

Impfungen retten Leben

Das wichtigste Argument: Impfungen können Ansteckungen verhindern und vor schweren Verläufen schützen. Die Intensivstationen sind voll mit Ungeimpften – eine Überlastung des Gesundheitssystem droht. Die Impfung ist eine moralische Pflicht – eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und für Menschen, die sich nicht impfen lassen können.

Freiwilligkeit hat nicht funktioniert

Bisher setzte Deutschland auf Freiwilligkeit bei der Corona-Impfung. Doch die Impfquote ist nicht ausreichend, um die Pandemie nachhaltig einzudämmen. Die Wissenschaft gibt das klare Signal: Ohne eine Impfquote von mehr als 90 Prozent bekommen wir die Pandemie langfristig nicht in demnach  Griff. Auch schlimme Krankheiten wie Pocken wäre ohne eine Impfpflicht nicht ausgerottet werden.

Impfpflicht könnte Impfskeptiker überzeugen

Auch wenn es paradox klingt, könnte eine allgemeine Impfpflicht manchen Impfskeptiker helfen. Bisher haben sie ihre ablehnende Haltung in ihrem privaten Umfeld vehement verteidigt und glauben, ihre Meinung nun nicht mehr ändern zu können, ohne das Gesicht zu verlieren. Die Impfpflicht könnte eine Rechtfertigung gegenüber dem Umfeld sein.

Nicht abwarten

Auch wenn die Impfpflicht nicht gegen die aktuelle Omikron-Wellte hilft, waren viele Experten vor dem nächsten Herbst mit erneut stark ansteigenden Infektionszahlen. Abwarten ist für sie deshalb der falsche Weg – wichtig sei deshalb eine Kampagne mit Aufklärung, Information und ausreichend Angeboten.

Freitag, 21. Januar 2022

Gewalt und Hass in den sozialen Netzwerken

Einen weiteren erschütternden Bericht über Gewalt und Hass in den sogenannten sozialen Netzwerken bietet das ZDF-Magazin Frontal.

Hass vor allem gegen Frauen

Am Beispiel einer Krankenschwester, die online auf den Pflegenotstand hinweist und der Politikerin Sawsan Chebli zeigt der Bericht welch üble Beleidigungen im Internet und realen Leben zu erleiden haben. Besonders betroffen davon sind junge Frauen zwischen 15 und 24 Jahren, so das Ergebnis einer Umfrage der Kinderrechtsorganisation "Plan International": In Deutschland gaben 70 Prozent der befragten Personen an, schon digitale Gewalt und Belästigung in den sozialen Medien erlebt zu haben. Die Politik hat lange das Problem der Hasskriminalität lange unterschätzt.

Endlich schärfere Reglementierung

Der Bericht zeigt, dass die Techgiganten wie Facebook nur wenig Interesse an einer konsequenten Verfolgung von Hassrede hat. IM Darknet kann Hass sogar gekauft werden - Für 15.000 Dollar kann eine Person gezielt mit Hassbotschaften angeprangert werden. Juristen fordern deshalb schärfere Reglementierungen, damit die Täter nicht mehr größtenteils ungestraft davonkommen.