Über diesen Blog

Freitag, 3. Mai 2024

Schützt die Jugend vor der CSU

In einem Kommentar im SPIEGEL kritisiert Anna Clauß das Cannabis-Verbot im Biergarten.

Verbot von Drogen im Biergarten

Unterstützt von der bayerischen Regierung verbot der Augustiner- -Keller zunächst jede Form von Drogen. Nachdem ihnen klar wurde, dass damit auch Bier zählen konnte, präzisiert der Biergarten das Verbot auf Marihuana und Cannabis“. De Staatsregierung zog nach und verbot Cannabis in öffentlichen Park und Volksfesten.

Komasaufen erlaubt, ein Joint kostet 1000 Euro

Die Staatsregierung begründet dies mit Gesundheitsschutz und möchte kein Kiffer-Paradies. Zieht ein 18-Jähriger künftig vor einem 17-Jährigen an einem Cannabis-Vaporisator, muss der Volljährige 1000 Euro blechen. Ins Koma saufen dürften sich beide kostenlos. Konsequenterweise müssten die Staatsregierung Minderjährigen das Betreten von Biergärten und Bierzelten verbieten. Aber huch, dann wäre die CSU ja genau die Verbotspartei, als die sie die Grünen so gern diffamiert.

Recht auf Rausch

Die Autorin betont die Gefährdung durch Cannabis, kritisiert aber die Gleichsetzung mit harten Drogen. Beim Alkohol gewährt der Freistaat das Recht auf Rausch. Otto Wiesheu verursachte betrunken einen Unfall mit Todesfall - er wurde anschließend Verkehrsminister.

Cannabiskonsumenten werden nicht zu aggressiven Schlägern

Cannabis ist eine Droge, der eine entspannende Wirkung zugeschrieben wird, weswegen sie medizinisch unter anderem in der Schmerztherapie eingesetzt wird- Wenn jemand das Rauchen stärkt- egal ob Zigaretten oder einen Joint – kann man sich halt wegsetzen.

Schützt bayerische Kinder – vor einer Instrumentalisierung durch die CSU

Die Autorin bezeichnet den CSU-Kreuzzug als unerhört: Wer die Gesundheit von Minderjährigen als vorgeschobenes Argument benutzt, um medienwirksam Anti-Ampel-Politik zu machen, verhält sich so schäbig wie ein Brownie-Bäcker, der heimlich Cannabis in den Teig bröselt. Ihre Forderung „Schützt bayerische Kinder – vor einer Instrumentalisierung durch die CSU!“

Mittwoch, 24. April 2024

Stimmungstief und Rechtsruck bei junger Generation

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Jugendstudie 2024. Junge Menschen sind demnach so pessimistisch wie nie zuvor

Bröckelnder Zukunftsoptimismus

Die Ergebnisse der der Studie "Jugend in Deutschland 2024" sieht bei der jungen Generation einen "bröckelnden Zukunftsoptimismus" Grund dafür sei die Sorge um die Sicherung des Wohlstands und die damit verbundene hohe politische Unzufriedenheit. Die größten Sorgen sind demnach die Inflation, der Krieg, der Sorge um den Wohnraum, die Spaltung der Gesellschaft, Altersarmut und Zuwanderung. Nachgelassen hat die Sorge um den Klimawandel.

AfD bei jungen Menschen stärkste Partei

Die Sorgen um die Migration zeigt sich auch in den Wahlabsichten. 22 % plädieren für die AfD, gefolgt von der CDU. Grüne und FDP, die bisher bei den Jungen besonders gut ankamen, landen nur noch bei 18 bzw. 8 %. Auch die SPD verliert und landet bei 12 %-

Psychische Belastung trotz Abflauen von Corona sogar noch gestiegen

Anders als erwartet steigt die psychische Belastung bei Jugendlichen trotz Abflauen von Corona sogar noch. Die Verfasser sind besorgt: "Unsere Studie dokumentiert eine tief sitzende mentale Verunsicherung mit Verlust des Vertrauens in die Beeinflussbarkeit der persönlichen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen, die Aussicht auf ein gutes Leben schwindet."

Samstag, 30. März 2024

Deutschland braucht eine saubere Aufarbeitung der Corona-Zeit

Angelika Slavik fordert in der Süddeutschen Zeitung eine Aufarbeitung der Corona-Zeit, egal wie schmerzhaft das ist.

Schmerzhafte Aufarbeitung notwendig

Das Coronavirus hatte eine Vielfalt an Erscheinungsformen mit unterschiedlichen Verläufen, nach Alpha, Delta und Omikron heißt die Corona-Herausforderung diesmal: Aufarbeitung. So sollte nun klar werden, wer was wann und warum entschieden hat. „Fehler, die passiert sind, muss man dabei klar benennen. Es darf keine Schönfärberei und kein Vertuschen geben.

Nicht alles, was rückblickend nicht gut aussieht, ist ein Skandal.

Der Autor betont aber auch, dass die Pandemie eine Ausnahmesituation war und Entscheidungen unter Druck schnell getroffen werden mussten. Die Bilder aus Bergamo verdeutlichten die Dramatik: Nicht alles zu versuchen, um Leben zu retten, wäre unverantwortlich gewesen.

Gefahr der Instrumentalisierung

Die Debattenkultur ist in einem schlimmen Zustand, die komplexe Aufarbeitung wird deshalb fast zwangsläufig von vielen Seiten instrumentalisiert werden. Dennoch ist die Debatte notwendig: Je transparenter und nachvollziehbarer die Corona-Zeit nun aufgearbeitet wird, desto höher sind die Chancen, zumindest einen Teil der Menschen zurück in den gesellschaftlichen Diskurs zu holen

Unterschiedliche Sichtweisen aushalten

Im besten Fall lernt das Land, unterschiedliche Sichtweisen auszuhalten. Es wird klar, dass komplexe Probleme nicht mit banalen Antworten zu lösen sind. „Und vielleicht ist sogar Raum für den Gedanken, dass es ganz in Ordnung ist, sich gegenseitig auch einfach mal die besten Absichten zuzutrauen - und nicht immer nur das Allerschlimmste zu vermuten. Das Motto muss jetzt sein: Augen auf und durch. Wer Alpha, Delta und Omikron überstanden hat, darf an dieser großen letzten Herausforderung nicht scheitern.“

Montag, 26. Februar 2024

Das Ende von sozialen Medien?

Lars Weisbrod sieht in der ZEIT das Ende der sozialen Medien.

Die Party ist schon längst zu Ende

Anhand von drei Meldungen zeigt der Autor, dass wie bei einer zu Ende gehenden Party noch viele da sind, die Stimmung aber nicht mehr da ist.
Viele seriöse und zahlungskräftige Anzeigenkunden meiden inzwischen den Kurnachrichtendienst X.
Der Algorithmus von Meta schlägt den Nutzern in Zukunft keine "politischen Inhalte" mehr vor, sofern die Nutzer nicht ausdrücklich zugestimmt haben.
Das US-amerikanische Marktforschungsinstitut Gartner schätzt, dass bis zum Jahr 2025 die Hälfte der Verbraucher ihren Social-Media-Konsum erheblich einschränken oder ganz aufgeben wird.

Der Reiz ist vorbei

Für viele jungen Menschen ist Facebook uninteressant geworden. Noch fehlen die Belege, aber viele haben das Bauchgefühl, dass der Reiz vorbei ist. Die Autoren zitieren einen Bericht im Economist, der argumentiert, dass die ganze Magie entstand, weil man persönliche Interaktionen kurzgeschlossen hatte mit massenmedialer Kommunikation. Dies zerfällt nun (wieder) – in seinen sozialen und seinen medialen Teil.

Veränderungen im Nutzerverhalten

Jüngere nutzen mittlerweile BeReal und kommunizieren mit ihren Freunden statt mit allen anderen Internetnutzern. Auch andere Nutzer ziehen sich in geschlossene WhatsApp-Gruppen zurück und zeigen ihre Status-Updates lieber im engen Kollegenkreis aus und nicht mehr mit der ganzen Welt.
Dies zeigt sich auch sprachlich. Facebook machte aus Freunden Follower, bei Apps wie BeReal trifft die Bezeichnung wieder zu.

Nicht mehr mit der ganzen Welt kommunizieren

Lange Zeit gab es den Traum mit der ganzen Welt zu kommunizieren. Twitter und Instagram wurden zu den Leitmedien der Zehnerjahre aufstiegen, zu den Prototypen dessen, was wir unter Social Media verstehen. Plötzlich hielten sich mehrere Milliarden Menschen für Prominente, für Experten, für Trendsetter." Dieser Trend ist nicht verschwunden: auch heute noch hört man von neuen TikTok-Stars, die aus ihren Kinderzimmern heraus ein Millionenpublikum erreichen. Die Rollen sind aber mittlerweile klar getrennt. Man nutzt die App entweder als Sender oder Empfänger; nur selten ist man beides zugleich.

Postsoziale Medien

Jeder bekommt weiterhin, was er vorher angeschaut haben. Das Teilen spielt aber keine große Rolle mehr. Soziale Medien waren einst darauf angewiesen, dass ich interagiere; nur dann konnten die Algorithmen wissen, was mir gefällt. Postsoziale Medien wissen, was mir gefällt, selbst wenn ich passiv bleibe. Es dreht sich mittlerweile nicht mehr um Freunde oder Follower, sondern um Mini-Videos, "mit denen Nutzer ihre überhitzten, verwirrten Gehirne ruhigstellen". Und wer das nicht will und echten Austausch bevorzugt, der zieht sich zurück in kleine, geschlossene Räume.

Kommt die nächste Wende?

Postsoziale Medien werden auf Dauer nicht die gleiche Kraft entfalten wie soziale Medien. Der Autor verweist auf eine weitere Entwicklung: Bibliotheken sind wieder belegt, ironischerweise auch durch das Stichwort BookTOk auf Tiktok
So finden die Jüngeren ihren Weg zurück in die Gutenberg-Galaxis. Als hätten die TikTok-Nutzer beschlossen: Wenn wir uns sowieso wieder in Sender und Empfänger spalten, oder, anders formuliert, in Autor und Leser, dann können wir gleich zurückkehren zum gedruckten Buch, das diese Unterscheidung einst begründete.

Donnerstag, 15. Februar 2024

Demonstrationen gegen rechts: Bloß keine linke Türsteherei

Robert Pausch lobt in der ZEIT die Demonstrationen gegen die AfD, warnt aber vor linker Türsteherei.

Aufschwung der AfD gestoppt?

Die Berichte über das Treffen in Potsdam zur „Remigration“ hat auch innerhalb der der AfD für Unruhe gesorgt. Während Alice Weidel ihren Referenten feuerte, kritisierten andere das Vorgehen als „Altparteienverhalten“. In den Reihen der AfD und ihrer Stichwortgeber herrscht Unruhe, fast Panik. Diese Panik zeigte sich auch bei der Beurteilung der Demonstrationen. Mal waren die Demonstrationen regierungsgelenkt, dann wurden die Zweifel an Teilnehmerzahlen geschürt.

Die Zivilgesellschaft lebt, der Druck auf die AfD wirkt

Die Demonstrationen sind für Pausch eine eindrucksvolle und wirksame demokratische Selbstermächtigung. Er warnt davor, auf den Demo-Bühnen eine Debatte über Flüchtlinge zu führen – den Protesten sollen nicht durch linke Türsteherei den Schwung zu nehmen. Auch wenn linke Gruppen all die Jahren den Widerstand aufrecht erhalten haben, sollten sie die Mitte miteinbeziehen. Diese sind eine Machtdemonstration der politischen und kulturellen Mitte. Ausdrücklich sollte auch die CDU miteinbezogen werden.

Es geht um Mehrheiten

Der Autor schlägt ein Rahmenprogramm vor, um zu zeigen, dass auch viele Künstler hinter dem Anliegen stehen, wie z.B. Roland Kaiser oder Helene Fischer oder Mallorca-Musiker DJ Robin, der zwar politisch inkorrekte Lieder singt, aber deutlich gegen die AfD positioniert. Es geht bei diesem Protest nicht um Wahrheiten, es geht um Mehrheiten. Es geht um ein Bündnis vom Ballermann bis zur Basisgruppe. Denn das ist es, was die AfD am meisten fürchtet.

Mittwoch, 10. Januar 2024

Jugendkriminalität: Die Mär von der kriminellen Jugend

Philipp Kollenbroich beschäftigt sich im SPIEGEL mit der Jugendkriminalität und kritisiert „die Mär von der kriminellen Jugend“.

Kriminalität bei Jugendlichen ist gestiegen

Die Zahlen von Straftaten, die durch Jugendliche begangen werden, sind gestiegen: Ladendiebstahl auf über 46.000 von 27.000 im Jahr 2021. Hierzu kamen Einzelfälle, die viel Aufmerksamkeit erregten: Silvester in Berlin-Neukölln und die strafunmündigen Mädchen, die eine zwölfjährige erstochen haben. Zwar hatten Experten nach Corona nach einem Anstieg gerechnet, die Zahlen gingen aber deutlich über das Vor-Corona-Niveau hinaus.

Das Zahlenwerk hat Tücken

Ein Teil der Zunahmen geht schlicht auf Gesetzesverschärfungen zurück. So fallen etwa Jugendliche, die ein Nacktfoto von sich selbst verschicken, bereits unter den geänderten Kinderpornografie-Paragrafen. Auch der Straftatbestand der Bedrohung wurde erweitert. Deshalb messen Kriminologen aus Hannover anders: Sie befragen Schüler nach ihren Erfahrungen als Täter oder Opfer. Bei der Polizeistatistik können Veränderungen durch verändertes Anzeigeverhalten oder stärkeren Kontrollen Veränderungen hervorbringen.

Jugend sind weniger gewalttägig

Nimmt man die Zahl der Forscher ist die Jugend in Deutschland danach über die vergangenen 15 Jahre signifikant weniger gewalttätig geworden. Der Gesamtindex Gewalt fiel von 7,5 auf 6,4 Prozent. Lediglich der Ladendiebstahl ist angestiegen, bei anderen Delikten ist die Zahl konstant oder rückläufig.

Was die Polizei sieht

Der Artikel berichtet über die Polizeiarbeit in manchen Stadteilen. Beamte werden beleidigt, die Menschen solidarisieren sich gegen die Polizei. Die Straftaten gingen oft wie Wellen durchs Viertel, vom selben Delikt viele zugleich. Insgesamt sehen die befragten Beamten keinen Unterschied zur Vor-Corona-Zeit.

Gründe für die Differenzen zur Kriminalitätsstatistik

Die Forscher nennen zwei Gründe für die Unterschiede zwischen den Statistiken: Durch die Zuwanderung leben deutlich mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland. Auch wenn sie kriminell wären wie der Durchschnitt, steigt die absolute Zahl der Straftaten. Der andere Faktor sind Nachholeffekte nach Corona. „Das Austesten von Grenzen wird nachgeholt“. Dieser Faktor könnte in den Folgejahren wieder geringer werden.

Was Sozialarbeiter erleben

Der Artikel beschreibt einen Jugendarbeiter, der Polizisten zu einem Gespräch in ein Jugendzentrum eingeladen hat. Eigentlich war ein Gespräch über Messer geplant, aber es ging weniger darum, worüber gesprochen wird – sondern dass überhaupt gesprochen wird. Da die Beamten in Zivil auftraten konnten die Kinder ihr negatives Bild hinterfragen. Der Sozialarbeiter betont, dass es wenig Gewalt, aber sehr wohl Probleme gibt: Das Schulsystem passe für viele Jugendliche hier nicht, die Klassen seien zu groß, es fehle an Unterstützung. In der Jugendarbeit entstand deshalb eine Idee, negative Gefühle auszuleben: Boxhandschuhe und ein Boxsack: Die Aggression, so die Idee, ist weiterhin da, aber sie landet im Boxsack. Und nicht in der Polizeilichen Kriminalstatistik.
 

Mittwoch, 13. Dezember 2023

Bildung: Fünf Gründe, warum deutsche Schulen heute nicht besser abschneiden

Die PISA-Studie war – mal wieder - ein Schock. Die Schüler*innen sind bei der aktuellen Bildungsstudie weiter abgestürzt. In der ZEIT nennt Martin Spiewak fünf Gründe, warum deutsche Schulen so schlecht abschneiden. Er betont aber auch, dass es positive Veränderungen gab.

Es hat sich einiges getan

Seit dem PISA-Schock 2000 hat sich einiges verbessert: Die Zahl der Grundschüler an Ganztagesschulen hat sich verzehnfacht, über 100.000 neue Erzieherinnen wurden eingestellt.
Es gibt Sprachtests vor der Einschulung, bundesweite Bildungsstandards und Leseprogramme. Die Bildungsausgaben haben sich inflationsbereinigt verdoppelt, die Klassen sind kleiner geworden.

Es reicht nicht aus

Es gibt verschiedene Gründe, warum das nicht gereicht hat: die Schülerschaft hat sich ebenso verändert wie die Welt jenseits des Klassenraums „von digitalen Medien über veränderte Familienstrukturen bis zum Arbeitsmarkt, der gering qualifiziertes Personal kaum noch braucht.“ Gleichzeitig sind die Anforderungen immer größer geworden – sie gelten als „Generalreparaturbetrieb“ für viele Missstände.

Die Schulen haben sich nicht gewandelt wie die Gesellschaft

Die Autoren nennen fünf Gründe, warum sich Schulen nicht in der gleichen Geschwindigkeit verändert haben.

1. Gaaanz laaaangsam

Bis zu 200.000 lese- und rechenschwache Schülerinnen und Schüler verlassen pro Jahr die Schule. Es dauerte aber 20 Jahre bis sich die Kultusminister auf eine Leseinitiative geeinigt haben. Auch ein lange erprobtes Mathekonzept soll erst 2024 starten. Weltweit haben die Schließungen durch das Coronavirus zu einem Kompetenzeinbruch geführt. Deutschland war aber besonders schlecht auf Onlineunterricht vorbreitet, bis heute fehlen WLAN und Tablets.

2. Basteln statt Lernen

Die deutschen Kitas verstehen sich immer noch nicht als Bildungshäuser. Gerade für Kinder, die zu Hause kein Deutsch sprechen, wäre frühkindliche Bildung enorm wichtig. Zusätzliches Geld für die frühkindliche Bildung wurde zudem nicht in erster Linie in die Qualität der Kitas investiert. Stattdessen wurden Milliarden für mehr Plätze und sinkende Beiträge ausgegeben. Das half dem Geldbeutel von Mittelstandseltern, aber nicht der Chancengleichheit. Auch beim Ausbau von Ganztagesschulen gibt es nachmittags vor allem Bastel-Gruppen und Fußball-AGs, dadurch werden weder Bildungsungerechtigkeiten abgebaut noch zu Lernzuwächsen geführt.

3. Vorsicht vor den Bildungsbürgern

Experten fordern seit langem, Brennpunktschulen gezielt zu fördern: mit mehr Lehrkräften, kleineren Klassen, Schulpsychologen und Sozialarbeitern. Der Mut an anderen Stellen zu sparen, z.B. bei den Gymnasien, fehlt jedoch – die Politik möchte keine Diskussionen mit Bildungsbürgern. Der Lehrermangel verschärft neuerdings die Ungleichheiten, da an Brennpunktschulen mehr Unterricht ausfällt und mehr Quereinsteiger beteiligt sind.

4. Routine, Routine, Routine

Erneut haben asiatische Länder im internationalen Vergleich überragend abgeschnitten. Diese haben weniger Migranten zu integrieren, dennoch lohnt sich ein Blick auf den Unterricht. Es gibt Unterrichtseinheiten für das ganze Land und gegenseitige Lernkultur. In Deutschland hat sich wenig verändert. Noch heute ist der Matheunterricht auf Rechnen und nicht mathematisches Denken ausgerichtet. Auch bei der Sprachförderung hapert es, eine Grundvoraussetzung für den Lernerfolg.

5. Geld, mehr Geld!

Die Bildungspolitik hat auf Wachstum gesetzt: mehr Kita-Plätze, mehr Zeit in der Schule, mehr Geld. Auf ein Mehr kann man sich schnell einigen. Es reicht aber nicht, einfach mehr Geld auszugeben. Deutschland hat in der Bildung in erster Linie weder ein Erkenntnis- noch ein Finanzproblem. Es mangelt an der Bereitschaft, das Notwendige zu benennen, und am Mut, es umzusetzen.